Gelbe Tonne | Neues Wertstoffgesetz

Streit um die Gelbe Tonne

26.01.2016

Seit 25 Jahren kümmern sich private Entsorgungsunternehmen um die Wertstoff-Trennung in Deutschland. Nun könnte sich das ändern: Das geplante Wertstoffgesetz soll das Recycling um den Grünen Punkt verstaatlichen. Das könnte für die Verbraucher mehr Kosten bedeuten.

Müllsystem mit Tradition

Mit der Mülltrennung nehmen wir es in Deutschland ziemlich genau. Es gilt mancherorts zwischen schwarzer, brauner, grüner, gelber, orangener und blauer Tonne zu trennen. In einigen Städten unterscheiden sich sogar die Farben. Das komplizierte Mülltrennungs-System rund um die gelbe Tonne ist seit 1991 zwischen privaten Unternehmen und öffentlicher Hand aufgeteilt. Die Privatwirtschaft kümmert sich dabei um das Entsorgen von Verpackungen, während die Kommunen den Restmüll einsammeln und verwerten.

Wertstoffgesetz: Mehr Recycling, weniger Einnahmen?

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will nun erreichen, dass mehr Stoffe aus dem Hausmüll wiederverwendet werden. Dafür soll den Verbrauchern erlaubt werden, nicht nur Verpackungen in die Gelbe Tonne zu werfen, sondern auch andere Abfälle, die aus Metall oder Plastik bestehen. Damit soll die Recyclingquote in Deutschland von 60 auf 70 Prozent erhöht werden.

Die Idee klingt gut für die Umwelt, doch sie ist schlecht für die Kassen der Kommunen, bemängeln Umweltverbände und Vertreter des Dualen Systems. Denn mit weniger Restmüll erzielen die kommunalen Verbrennungsanlagen geringere Einnahmen.

Gelbe Tonne zurück an Kommunen

450 Städte und Kreise wollen nun über das Wertstoffgesetz im Bundesrat die Gelbe Tonne wieder aus der Privatwirtschaft zurückholen. Denn die privaten Unternehmen verdienen mit dem Verpackungsmüll erfolgreich Geld. Finanziert werden soll die kommunale Verwertung weiter durch die Entgelte von Verpackungs- und Warenherstellern, die wir als Kunden an der Supermarktkasse schon automatisch mitbezahlen.

Die Einnahmen sollen dann an eine zentrale Behörde ausgezahlt werden, statt wie bisher an die Entsorgungsunternehmen. Die Behörde soll auch die Aufträge für Müllverwertung verteilen. Genau das ist den Kritikern des Wertstoffgesetzes ein Dorn im Auge, denn die Kommunen könnten sich dann Monopole in der Abfallentsorgung sichern. Sie fürchten, wenn der Wettbewerbsdruck von privaten Entsorgungsunternehmen wegfällt, werden die Kosten für die gelbe Tonne und die Müllentsorgung steigen und am Ende zahlt der Verbraucher drauf.

Über das geplante Wertstoffgesetz, die gelbe Tonne und die Änderungen im Recycling hat detektor.fm-Moderator Gösta Neumann mit Hartmut Hoffmann gesprochen, er arbeitet ehrenamtlich beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Hartmut_HoffmannDie Verwertung sollte privat sein, weil da glaube ich, haben die Kommunen nicht so viel Erfahrung. Hartmut Hoffmannarbeitet im "Arbeitskreis Abfall und Rohstoffe" beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. 

Redaktion: Zülal Yildirim