Will die Telekom DSL daheim drosseln?

22.03.2013

Ein internes Telekom-Dokument sorgt für Wirbel. Offenbar plant man eine Drosselung für DSL-, VDSL- und Fiber-Anschlüsse - und zwar schon ab Mai. Wie reagiert die Telekom? Was sagen andere Provider? Und was sollten Kunden tun?

Wer ein Smartphone hat, der wird das kennen. Mal hier ein Youtube-Video schauen, mal da einen großen Mail-Anhang versenden – und zack, geht das surfen unterwegs fortan nur noch im Schneckentempo. „Drosselung“ nennt sich das: die Provider erlauben eine gewisse Menge an Daten pro Monat im schnellen Internet. Kommt man als Kunde darüber, geht es nur noch recht langsam weiter.

Bisher hieß es dann immer: die Sachen mit den hohen Datenmengen zu Hause machen. Doch nun wurde bekannt, dass auch damit bald Schluss sein könnte. Zumindest bei der Telekom. Die will diese Drosselung angeblich auch für DSL-Anschlüsse zu Hause einführen. Im Audio-Beitrag oben fassen wir alle wichtigen Infos zusammen.

Was sagen die anderen Provider?

Wir wollten von weiteren großen Anbietern wissen, ob man dort plant, ebenfalls eine Drosselung einzuführen.

  • O2
    Der Pressesprecher von Telefónica antwortete auf unsere Fragen lediglich so: „Über Änderungen an unseren Produkten werden wir sie rechtzeitig informieren.“ Auf unsere Rückfrage, ob man hieraus schlussfolgern könne, Telefonica wolle einen ähnlichen Schritt weder ausschließen noch bestätigen, erfolgte die Klarstellung: „Bei Telefónica sind solche Schritte momentan nicht geplant“.
  • Kabel Deutschland
    Kabel Deutschland hat zum Mai 2012 seine AGB geändert: man drosselt nach eigener Aussage File-Sharing Anwendungen nach Überschreiten eines bestimmten Volumens pro Tag. Bei Nutzern mit sehr hohen Datenvolumen (ab 60GB pro Tag) würde die Bandbreite für File-Sharing für den Rest des Tages reduziert, erklärte uns der Pressesprecher. Alle übrigen Anwendungen seien unverändert nutzbar, File-Sharing-Anwendungen ab 0:00 Uhr wieder. Weiterhin würden „zeitkritische Internetanwendungen wie Internet-Telefonie (Video und Sprache), Online-Videos oder Online-Gaming im Vergleich zu anderen Web-Anwendungen vorrangig durchgeleitet.“ So könne es bei nicht-zeitkritischen Anwendungen wie z.B. Peer-to-Peer, One-Click-Hoster und Net-News zu vorübergehenden Einschränkungen kommen.
  • 1&1
    …twitterte heute: „Da uns zahlreiche Anfragen erreichen: Wir planen KEINE Drosselung von DSL-Anschlüssen bei 1&1.“
  • Vodafone
    Bei Vodafone waren alle Pressesprecher den ganzen Tag über leider nicht in der Lage, uns eine Antwort zu senden.

Was steht im Dokument?

Das Dokument spricht von einer „einheitlichen Bandbreitensteuerung auf 384 KBit/s“ für Verträge der Sorte „Call & Surf“ und „Entertain“ – und zwar bereits ab dem 2 Mai 2013. Demnach sollen folgende Kontingente gelten:

  • Call & Surf / Entertain mit DSL oder VDSL: Drosselung nach 75 GB
  • Call & Surf mit VDSL 16 oder VDSL 25: Drosselung nach 100 GB
  • Call & Surf mit VDSL 50: Drosselung nach 200 GB
  • Call & Surf mit Fiber 100 und Entertain mit Fiber 100: Drosselung nach 300 GB
  • Call & Surf mit Fiber 200 und Entertain mit Fiber 200: Drosselung nach 400 GB

Wie also schon bei Handy-Verträgen, soll nach dem Aufbrauchen des o.g. Datenvolumens eine stark reduzierte Geschwindigkeit zum Surfen zur Verfügung stehen. Für VDSL-Verträge ist eine solche Klausel bereits in den bestehenden Verträgen aufgeführt. Diese ist aber bisher nicht angewendet worden.

Das Dokument führt weiterhin konkrete Anwendungsszenarien auf. Mit 75 GB sei es demnach möglich: 3 Filme in HD pro Monat zu schauen oder 10 Filme in SD, 60 Stunden Webradio zu hören, 400 Fotos in hoher Qualität herunterzuladen, 16 Stunden 16 Stunden pro Monat Online-Games zu spielen, 50 Downloads zu laden, 200 Musik-Downloads zu laden un 1.000 Webseiten aufzurufen. Für den Einzelnutzer sicherlich machbar – für WGs und andere geteilte Anschlüsse dürfte das allerdings eng werden.


+++ Update 10:45 Uhr +++

Eben erreichte uns eine Rückmeldung eines Telekom-Pressesprechers mit Hinweis auf diesen Blog-Artikel der Telekom. Darin ist die Rede von einem begrenzten monatlichen Volumen und einer Grenze für Übertragungsgeschwindigkeit. Ein klares Dementi der bisherigen Meldungen ist diesem Eintrag nicht zu entnehmen. Wir berichten heute nachmittag ab 16 Uhr in unserer Live-Sendung „Der Tag“ ausführlicher über das Thema.


+++ Stand: 10:00 Uhr +++

Die Deutsche Telekom plant angeblich, heimische Anschlüsse mit DSL, VDSL und Fiber ab einer bestimmten Datenmenge herunterzufahren: auf eine minimale Surfgeschwindigkeit.

Das berichten übereinstimmend Fan0ys, MobileMacs und andere. Auch unserer Redaktion liegt inzwischen ein Dokument im Telekom-Design vor.

Wir haben noch am Abend bei der Deutschen Telekom ein Interview angefragt. Erste Telefonate mit der Telekom-Pressestelle am heutigen Morgen brachten uns eine Bestätigung, dass unsere Anfrage eingegangen sei und bearbeitet werde – man könne die Meldungen bis dahin jedoch weder bestätigen noch dementieren.


Das Studiogespräch zum hören und mitlesen

Was genau plant die Telekom da?

Wenn man diesem Dokument glauben darf, dann führt die Telekom eine sogenannte „einheitliche Bandsteuerung ein“. Heißt: man kann surfen und surfen und surfen – und plötzlich, wenn man eine gewisse Datenmenge verbraucht hat, geht’s nur noch ganz langsam weiter. Gedrosselt. Je nach Tarif, den man hat. Bei den etwas besseren Tarifen mit VDSL oder DSL, nach 200GB, 100 GB oder schon mach 75 GB bei einem normalen DSL-Anschluss.

Ist das viel, wenig – kannst du uns das mal ein wenig einordnen?

Da nimmt einem dieses Telekom-Dokument, dass da geleakt wurde und das uns auch vorliegt, die Arbeit ab. Da wird nämlich in schöner Werbesprache direkt erklärt: „Welche Möglichkeiten bietet das Highspeed-Volumen?“. Für den normalen, einfachen DSL-Anschluss soll ja nach 75 GB gedrosselt werden. Das heißt: 1000 Webseiten aufrufen, 16 Stunden Online-Spiele, 60 Stunden Webradio, 6 Stunden HD-Filme gucken plus ein paar andere Anwendungen – und dann wird’s langsam eng. Das ist jetzt für Leute mit einem eigenen Anschluss vielleicht gar nicht so das Drama. Für WGs aber, oder wenn man sich das Wlan mit dem Nachbarn teilt, ist das wahrlich keine komfortable Menge.

Dürfen die das denn so ohne weiteres?

Es sind ihre Netze, ihre Tarife, ihre AGB – kurzum: sie dürfen. Wenn sie denn wollen. Nachdem das Dokument gestern Nacht durchsickerte, ist aber schon die Frage, ob sie das auch tun werden. Da ist jetzt durchaus Gegenwind aufgezogen.

Heute morgen war für uns hier ja noch unklar, ob das Dokument überhaupt echt ist. Dann hat die Telekom mit einem Blog-Eintrag reagiert. Da steht so ungefähr drin, dass man sich das überlege, dass da aber noch nix beschlossen sei, und dass ja immer mehr Daten verbraucht würden und man da eben über die Tarife nachdenken müsse. Ein Dementi klingt wirklich anders.

Wenn ich jetzt Telekom-Kunde bin, was kann ich tun?

Es hängt ein bisschen davon ab, ob die Telekom den Schritt geht, oder nicht. Einmal unterstellt, sie tut es, gibt es zwei Möglichkeiten.

Wenn ich einen sog. VDSL-Tarif abgeschlossen habe, ist es so, dass schon jetzt Regeln zur Drosselung in meinem Tarif vorgesehen sind. Die Telekom hat die bisher einfach nicht angewandt. Sie könnten das jederzeit machen. Allerdings ist die Geschwindigkeit, auf die man hier gedrosselt werden dürfte, mit 3 Mbit/Sekunde angegeben. Auf dem Dokument sind 384 kbit/s benannt – das ein Zehntel! Also: wer VDSL hat und sich eines Tages auf 384 kbit gedrosselt sieht, der dürfte eigentlich ein Sonderkündigungsrecht haben.

Zweite Möglichkeit: man hat einen normalen DSL-Tarif der Telekom. Darin sind bisher keinerlei Regeln zur Drosselung vorgesehen. Wie es sich da gestaltet, das haben wir Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale NRW mal gefragt:

„Also in einen laufenden Vertrag jetzt einzugreifen und eine Drossel einzubauen, das kann ich mir nicht vorstellen unter welchem rechtlichen Aspekt das zulässig sein sollte. Das heißt, da wird der Telekom nur die Möglichkeit zur Verfügung stehen, die Verträge entweder zu kündigen und dann zu hoffen, dass die Verbraucher einen neuen Vertrag unter den neuen Bedingungen abschließen. Oder eben konkret nachzufragen und sich die Zustimmung v zur Vertragsänderung om Verbraucher zu holen. Aber allein durch die AGB oder durch die Hintertür das jetzt einzuführen, das halte ich für rechtlich nicht haltbar.“

Nun gibt es ja, wenns ums DSL zu Hause geht, noch andere große Anbieter. Werden die nachziehen?

Wir haben heute versucht, das rauszukriegen. O2 hat uns auf unsere Fragen geschrieben „Über Änderungen würde man uns rechtzeitig informieren“. Und auf Nachfrage dann, was das eigentlich heißen soll, hieß es, Drosselung sei nicht geplant. Kabel Deutschland sagt, man drosselt nur dann, wenn ein Kunde massiv viel verbraucht, also hundertmal mehr und so, und das auch nur für Filesharing. Und bei Vodafone waren alle Pressesprecher den ganzen Tag über leider nicht in der Lage, uns eine Antwort zu geben.