Grand Theft Europe

Rechercheverbund deckt Steuerbetrug auf

07.05.2019

Investigativjournalistinnen und -journalisten haben einen massiven Steuerbetrug aufgedeckt. Über sogenannte Umsatzsteuerkarusselle werden nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich 50 Milliarden Euro Steuern hinterzogen.

Vermeidung der Umsatzsteuer

„Grand Theft Europe“ – so nennt ein Verbund von mehreren europäischen Medien seine Recherche zu sogenannten Steuerkarussellen. Bei Steuerkarussellen werden Waren aus dem europäischen Ausland beispielsweise nach Deutschland eingeführt. Bei der Einfuhr fällt keine Umsatzsteuer an. Wenn deutsche Händler die Ware dann weiterverkaufen, schlagen sie die Umsatzsteuer – die sie nicht gezahlt haben – drauf und verkaufen die Ware weiter. Bevor ihnen das deutsche Finanzamt auf die Schliche kommt, lösen sie die verantwortliche Firma auf.

Wenn später das Finanzamt bei mir anklopft, dann bin ich schon längst mit den Steuergeldern verschwunden. – Marta Orosz, CORRECTIV

Die Ware wird so zwischen mehreren Händlern weitergereicht, die die Kette verschleiern. Der letzte Händler exportiert die Ware dann wieder ins  europäische Ausland und lässt sich die Umsatzsteuer vom deutschen Finanzamt erstatten. EU-Mitgliedsstaaten sollen so jährlich um 50 Milliarden Euro bestohlen worden sein.

Der „Grand Theft Europe“ kostet Milliarden

Ein solcher Steuerbetrug nutzt dabei keine vorhandenen Gesetzeslücken, sondern ist schlicht illegal. Die Gewinne werden zum Großteil auf wenige Köpfe verteilt und kosten den Staat jährlich Steuereinnahmen in Milliardenhöhe. Auf nationaler Ebene können Finanzämter Steuerbetrug oft aufdecken. Auf europäischer Ebene ist die Verfolgung schwierig.

Grand Theft EuropeBis man den einen Fall aufgedeckt hat, gibt’s schon längst Betrügereien in neuen Bereichen, in anderen Ländern, mit neuen Waren und man hinkt einfach nur die ganze Zeit hinterher.Marta Oroszhat die Recherche für correctiv.org geleitet. 

Über die europaweite Recherche zu Steuerkarussellen spricht detektor.fm-Moderator Lars Feyen mit Marta Orosz. Sie hat für CORRECTIV die Recherche geleitet.

Redaktion: Esther Stephan