Green Radio | Batterien und Akkus

31.10.2013

Batterien sind praktisch, Akkus oft noch praktischer. Doch es gibt große Unterschiede zwischen den diversen Typen, sowohl aus Umwelt- wie aus Verbrauchersicht. Und bei der Pflege seiner Akkus sollte man einiges beachten, sonst hat man nicht lange Freude daran.

In Zusammenarbeit mit dem UmweltbundesamtIn Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt 

Ob Smartphone, Wecker, Fernbedienung, Laptop, Kamera oder Küchenwaage – ständig benutzen wir Geräte mit Batterien oder Akkus. Dabei erscheinen Batterien für kleine Geräte zunächst unkomplizierter und auf den ersten Blick auch billiger, aber sie sind nicht gerade umweltfreundlich: Einmal geleert, sind sie wertlos, ihre giftigen Bestandteile müssen aufwändig recycelt werden. Akkus dagegen kann man wieder aufladen, man weiß bei ihnen allerdings nie so genau, wie lange sie halten.

Wie pflegt man Akkus richtig?

Sind Akkus wirklich immer ökologischer als Batterien? Und welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Typen mit den komplizierten Namen: Zink-Kohle-Batterien, Alkali-Mangan-Batterien, Lithium-Ionen-, Nickel-Metallhydrid– und LSD-Nickel-Metallhydrid-Akkus? Wie pflegt man sie richtig und wie gut lassen sie sich recyceln?

Diese Fragen hat uns Katja Tschetschorke vom Umweltbundesamt beantwortet.

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So klang das damals, als wir noch mit Walkmans rumgelaufen sind und alle drei, vier Stunden die Batterien leer waren. Auf Reisen schleppte man kiloweise Ersatzbatterien mit, die der Reihe nach im Müll landeten. Das ist heute anders. Heute schleppt man diverse Netzteile mit – aber nur noch jeweils einen Akku pro Gerät. Moderne Akkus können viel Energie speichern und lassen sich schnell aufladen. Damit sind sie auch aus ökologischer Sicht sinnvoll, sagt Katja Tschetschorke vom Umweltbundesamt:

Der Vorteil von Akkus gegenüber Batterien ist, dass sie zwischen 500 und 1000 mal wieder aufgeladen werden können und so eine entsprechende Anzahl von Batterien auch eingespart werden kann. Gerade bei Geräten, die sehr häufig genutzt werden, wie zum Beispiel mp3-Player und Fotoapparaten, ist ein Akku in der Regel die deutlich bessere Wahl. – Katja Tschetschorke

Allerdings gibt es verschiedene Typen, und nicht alle sind zu empfehlen. Die altmodischen Nickel-Cadmium-Akkus gibt es nur noch selten – sie sollte man meiden, denn Cadmium ist ein giftiges Schwermetall.

Umweltfreundlicher sind die Lithium-Ionen-Akkus und die Nickel-Metallhydrid-Akkus. Die haben auch den Vorteil, dass sie leichter sind und höhere Leistungen aufweisen. – Katja Tschetschorke

Lithium-Ionen-Akkus sind überall dort verbreitet, wo Akkus genau auf ein Gerät zugeschnitten sind: In Laptops oder Smartphones zum Beispiel. Sie haben den großen Vorteil, dass sie keinen Memory-Effekt kennen – das heißt, man kann sie problemlos nachladen, auch wenn sie noch halbvoll sind. Vermeiden sollte man bei ihnen allerdings eine Dauerladung, sagt Katja Tschetschorke:

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten vor allem darauf achten, dass der Laptop nicht dauerhaft an das Stromnetz angeschlossen ist, wenn der Akku noch im Gerät ist. Und bei Lithium-Ionen-Akkus sollte auch eine Überladung und eine vollständige Entladung des Akkus vermieden werden. – Katja Tschetschorke

Bei den handelsüblichen Standard-Akkus sind dagegen Nickel-Metallhydrid-Akkus weit verbreitet, etwa in Form der typischen AA-Zellen. Man erkennt sie an der Aufschrift „NiMH“. Auch sie sollten möglichst nicht völlig entladen werden, sonst gehen sie auf Dauer kaputt. Sie entladen sich auch von allein, wenn sie ungenutzt in der Schublade liegen. Dabei verlieren sie pro Monat etwa ein Viertel ihrer Ladung. Einige Hersteller bieten mittlerweile aber auch Nickel-Metallhydrid-Akkus ohne diese Schwäche an:

Es gibt auch Akkus mit einer geringen Selbstentladung, das sind die LSD-Nickel-Metallhydrid-Akkus. Zum Beispiel in Festnetztelefonen kann man die gut verwenden. – Katja Tschetschorke

Und noch etwas gibt es bei Akkus zu beachten: Sie vertragen keine extremen Temperaturen, ideal sind 10 bis 25 Grad. Im Sommer sollte man sie also besser nicht im heißen Auto liegen lassen. Für Geräte mit wenig Stromverbrauch wie Fernbedienungen oder Wanduhren sind klassische Batterien noch immer am besten geeignet, denn die entladen sich nicht von selbst und tun jahrelang ihren Dienst. Doch auch da gibt es verschiedene Typen mit Vor- und Nachteilen:

Das Umweltbundesamt hat dazu ein Forschungsprojekt durchgeführt, und hier hat sich gezeigt, dass Alkali-Mangan-Batterien durchschnittlich geringere Schwermetall-Gehalte aufweisen als Zink-Kohle-Batterien. Zudem haben Alkali-Mangan-Batterien eine höhere Energiedichte und stellen Strom effizienter zur Verfügung, weshalb diese als umweltfreundlicher gelten. – Katja Tschetschorke

Alkali-Mangan-Batterien sind wegen dieser Vorteile weit verbreitet. Allerdings enthalten auch sie Giftstoffe – wie alle Batterien und Akkus. Das können zum Beispiel Schwermetalle sein wie Cadmium, Blei und Quecksilber, das vor allem in den kleinen Knopfzellen vorkommt.

Beim Menschen kann zum Beispiel Quecksilber das Nerven- und Immunsystem und auch Fortpflanzungssystem beeinträchtigen. Cadmium kann zu Nierenschäden führen, und Blei kann zum Beispiel das zentrale Nervensystem schädigen. – Katja Tschetschorke

Deshalb ist es wichtig, Batterien und Akkus nicht in den Hausmüll zu werfen. Sie gehören in spezielle Sammelboxen, die überall dort stehen, wo man Batterien auch kaufen kann. Die Altbatterien werden dann zu annähernd hundert Prozent recycelt.

Zurückgewonnen werden beim Recycling sowohl wertvolle Rohstoffe wie Kobalt, Silber und auch die Metalle als auch die giftigen Schwermetalle wie Quecksilber und Blei. Und durch das Recycling werden sie im Kreislauf geführt und können dann wieder in neuen Produkten, zum Beispiel in neuen Batterien eingesetzt werden. – Katja Tschetschorke

Allerdings nutzen zu wenige Menschen diese Sammelboxen: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 44.000 Tonnen Batterien verkauft, davon wurden nur 18.000 Tonnen zurückgegeben – eine Quote von gut 40 Prozent.

Wir sind nicht zufrieden. Also wir haben, vor allem bei den kleinen Knopfzellen, die auch noch wirklich hohe Konzentration von Quecksilber enthalten können, haben wir nur Rücklaufquoten von 11 bis 20 Prozent. – Katja Tschetschorke

Mehr Recycling wäre also wünschenswert. Noch besser wäre es, auf Batterien oder Akkus wo immer möglich ganz zu verzichten. Das hilft nicht nur der Umwelt, sondern spart auch Geld: Denn Batterien und Akkus sind ineffizient. Nimmt man Strom aus Batterien, dann ist er etwa 300 mal so teuer wie Strom direkt aus der Steckdose.