Green Radio | Europäische Energieunion

Russland gemeinsam die Stirn bieten

03.12.2015

1950 beschlossen Frankreich und die BRD, ihre Kohle- und Stahlproduktion unter gemeinsame Aufsicht zu stellen. Auch jetzt geht es auf europäischer Ebene wieder um eine Ressourcen-Gemeinschaft: die Energieunion. Alle gemeinsam gegen Russland?

+++Green Radio: Umwelt und Nachhaltigkeit – eine Kooperation mit dem Umweltbundesamt.+++


Abhängig von Drittstaaten

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

Die Europäische Union (EU) ist in ihrer Energieversorgung von Russland abhängig. Das ist den Mitgliedsstaaten im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise bitter bewusst geworden. Die EU deckt 90 Prozent ihres Rohöl- und 66 Prozent ihres Erdgasbedarfs durch Importe.

Sechs Mitgliedstaaten der Europäischen Union beziehen ihr Erdgas dabei von nur einem einzigen Lieferanten aus einem Drittstaat. Und verglichen mit den Großhandelspreisen in den Vereinigten Staaten ist Strom in der EU 30 Prozent, Erdgas sogar über 100 Prozent teurer.

Ziele der Energieunion

Daher soll eine europäische Energieunion nun Abhilfe schaffen. Wichtige Ziele dieses Vorhabens sind:

  • Sicherheit der Energieversorgung
  • Energieeffizienz
  • Umstellung auf eine Wirtschaft mit geringen CO2-Emissionen
  • Forschung
  • Wettbewerbsfähigkeit

Dazu will die EU unter anderem neue Lieferregionen für Energie ausmachen. Auch innovative Technologien sollen gefördert und sowohl Gas- als auch Stromnetze ausgebaut werden. Viel passieren müsse auch bei der Sanierung von Gebäuden und im Transportwesen. Denn 75 Prozent des Gebäudebestands in der EU sind nicht energieeffizient, verbrauchen also mehr Energie als nötig. Und der Verkehr hängt zu 94 Prozent von Erdölprodukten ab, von denen der Großteil importiert werden muss.

Ausstoß von Treibhausgasen senken

Um den Boden für die europäische Energieunion zu bereiten, hat sich der Europäische Rat (die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer) im Oktober 2014 auf einen Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030 verständigt. Die Politiker haben dabei zum Beispiel vereinbart, die Treibhausgasemissionen in gut 15 Jahren um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch soll derweil um mindestens 27 Prozent steigen.

Am 25. Februar 2015 hat die EU-Kommission einen Vorschlag für diese Energieunion vorgestellt. Kritiker bemängeln daran, dass an einer Politik festgehalten werden soll, die im Wesentlichen auf fossile Energieträger wie Öl und Gas setzt. Die Förderung erneuerbarer Energien komme zu kurz.

Wie geht es voran?

Über die geplante Energieunion und den aktuellen Stand ihrer Umsetzung hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Dr. Götz Reichert gesprochen. Er ist Fachbereichsleiter Energie, Umwelt, Klima, Verkehr beim Centrum für Europäische Politik in Freiburg.

Götz ReichertDie Einigung der Mitgliedsstaaten in punkto Energiepolitik ist schwierig. Dr. Götz Reichertvom Centrum für europäische Politik 



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