Green Radio | Schwimmende Windkraftanlagen

Das Kraftwerk liegt vor Anker

25.02.2016

Windräder werden ins Meer gestellt, weil dort viel Wind ist und auch viel Platz. Bisher müssen für diese sogenannten Offshore-Anlagen schwere Fundamente in den Boden gerammt werden. Das ist aufwendig und stresst die Meeresbewohner. Aber es geht auch anders – in Form schwimmender Windkraftanlagen.

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Windkraftanlagen an der Leine

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

Bei denen steht im Allgemeinen das Windrad auf einem Fundament, das auf der einen Seite von schwimmenden Bojen an die Wasseroberfläche gedrückt wird und auf der anderen Seite mit langen Leinen am Meeresgrund verankert ist. Damit ist es stabil, gleichzeitig aber auch flexibel. Bei starkem Sturm oder hohen Wellen können diese Windkraftanlagen sich somit etwas neigen.

Einige solcher Windräder gibt es bereits: Seit einigen Jahren steht beispielsweise eines vor der norwegischen Küste, ein weiteres in Portugal und auch in Japan. In Serie gibt es diese Anlagen bislang jedoch noch nicht. Das will der Konzern Statoil nun ändern, indem er fünf Windräder vor die Küste Schottlands stellt.

Die Schweinswale entstressen

Statoil investiert zunehmend in Öko-Energien und „sieht bereits seit längerer Zeit, dass etwas passieren muss“, sagt der Journalist Daniel Hautmann, der auf das Thema Energie, insbesondere Windkraft spezialisiert ist.

Freischreiber Zukunftskongress Hamburg. Machs dir selbst - Wie freie Journalisten in Zukunft arbeiten und Geld verdienen.
Copyright: Frederika Hoffmann, Hamburg, 040-4914666, www.frederika-hoffmann.deDas Potential der schwimmenden Windkraftanlagen ist sehr groß, auch wenn die Technologie im Moment noch viel kostet. Das ist vergleichbar mit der Autoindustrie in den 1930er-Jahren. Daniel Hautmannist freier Journalist, spezialisiert auf Technikthemen.  

Meiner Meinung nach ist das einer der wenigen Konzerne, der erkannt hat, dass man umdenken muss und damit zeitgleich auch Geld verdienen kann. – Daniel Hautmann, Technik-Journalist

Umdenken im Sinne der Natur: Denn die schwimmenden Windkraftanlagen sollen auch eine Entlastung für die sensiblen Schweinswale sein. Die werden beim Bau fester Anlagen durch den Bohrlärm stark gebeutelt.

Hohe Kosten

Bislang rechnen sich die schwimmenden Modelle jedoch noch nicht. Während für ein installiertes Megawatt bei einem Standard-Offshore-Windrad zweieinhalb bis vier Millionen Euro berechnet werden, ist es bei der neuen Technologie ungefähr doppelt so viel.

Anders soll das bei der Entwicklung der Firmengruppe Gicon sein. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg und der Universität Rostock bauen sie eine Schwimmplattform, die nicht direkt im Meeresboden verankert ist. Sie wird vielmehr mit einer Ankerplatte auf dem Grund stabilisiert. Die dank Auftriebskörpern treibende Plattform wird dann mit vielen Seilen an dem Schwergewichtsanker befestigt. Die Kosten dafür sollen mit festen Gründungen vergleichbar, teils sogar günstiger sein.

Quelle: BALTIC Taucher

Bis zu 700 Meter tief im Wasser stehen

Besonders ist hierbei außerdem, dass Windräder verschiedener Hersteller auf die Plattform geschraubt werden können. Bei anderen Konstruktionen taugt dafür jeweils nur ein Modell. Darüber hinaus sollen auf diese Weise Windräder in bis zu 700 Metern Wassertiefe installiert werden können. Das unterscheidet sie von den festen Gründungen.

Sie brauchen für die festen Gründungen immer ein Errichterschiff. Das ist teuer in der Unterhaltung und zeitintensiv. Bei uns wird komplett an Land produziert und dann vom Hafen zum Einsatzort ausgeschwommen. Dafür braucht man nur drei Schleppboote, die viel kleiner und in den Unterhaltskosten wesentlich günstiger sind. – Frank Adam von der Unternehmensgruppe Gicon

frank adam - privatDie Besonderheit unserer Technologie ist die Verankerung. Durch Seile, neben vertikalen auch geneigte, ist das von der Stabilität festen Gründungen ähnlich.Frank Adamvon der Unternehmensgruppe Gicon.  

Eine Pilotanlage soll im Spätsommer in der Nähe des Darß installiert werden.

detektor.fm-Moderatorin Karolin Döhne spricht mit Redakteurin Insa van den Berg über die Alternative zu herkömmlichen Offshore-Anlagen.