Green Radio | Pestizide: Warum Bio-Bauern damit Probleme haben

Der Wind, der Wind, das höllische Kind

31.03.2016

Während mit dem Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln auf der einen Seite mehr Gewinn erwirtschaftet wird, bedeutet dies auf der anderen Seite großen Schaden. Denn: Wenn der Wind ungünstig steht, landen Pestizide des herkömmlich arbeitenden Bauern auf den Äckern von Bio-Landwirten. Dort ist der Einsatz solcher Stoffe aber verboten.

+++Green Radio: Umwelt und Nachhaltigkeit – eine Kooperation mit dem Umweltbundesamt.+++


Vom Winde herübergeweht

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

In der herkömmlichen Landwirtschaft ist der Einsatz von Pestiziden erlaubt, um den Ertrag zu vergrößern. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu der Arbeit von Bio-Bauern. Die verzichten auf synthetische Pflanzenschutzmittel, die unter Umständen auch für den Menschen gesundheitsschädlich sein können.

Und trotzdem haben Bio-Landwirte Ärger mit solchen Pestiziden: Steht der Wind ungünstig, werden die Wirkstoffe über ihre Felder geweht.

Spritzschäden schwer erkennbar

Nur in Einzelfällen erkennt der Bio-Bauer einen solchen Spritzschaden sofort. Meist wird jedoch erst in der weiteren Produktionskette festgestellt, dass ein Bio-Produkt durch Pestizide belastet ist. Denn der Hersteller von Öko-Produkten muss sicherstellen, dass auch „bio“ drin ist, wenn „bio“ draufsteht, und das passiert durch spezielle und teure Analysen.

Während ein Kilogramm konventionell angebautes Obst im Mittel 0,3 Milligramm Pestizid-Rückstände enthält, dürfen es in Bio-Lebensmitteln nicht mehr als 0,01 Milligramm sein. Sonst gerät der Bauer in Erklärungsnot und seine Ware ist nicht mehr als Bio-Ware verkäuflich.

Auch Anwohner klagen über Pestizide

Wer genau für diesen Schaden im Einzelfall verantwortlich ist, ist oftmals nicht zu klären. Meist bleibe der Bio-Bauer dann auf dem Ausfall sitzen, sagt Gerald Wehde vom Bundesverband Bioland.

Aber nicht nur Bio-Bauern in unmittelbarer Nachbarschaft konventioneller Landwirte klagen über die sogenannte „Abdrift“. Auch Anwohner, die von Krampfhusten, Kopfschmerzen oder Erbrechen geplagt werden, sehen einen Zusammenhang.

Was tun?

Um das zu vermeiden, gibt es bestimmte Regelungen: So müssen Mindestabstände eingehalten werden. Außerdem darf bei Windgeschwindigkeiten von über fünf Metern die Sekunde nicht gespritzt werden.

Über das Problem mit Pestiziden spricht detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer in unserer Serie „Green Radio“ mit Susan Haffmans vom Pestizid-Aktions-Netzwerk PAN Germany. Die gemeinnützige Organisation informiert über die Folgen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.

Susan Haffmans vom Pestizid-Aktions-NetzwerkDer Bio-Bauer kann bei einem starken Spritzschaden seine Ware dann nur noch als konventionelle Ware vermarkten. Dipl.-Ing. agr. Susan Haffmansist Projektkoordinatorin beim Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany). Foto: PAN Germany 

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