Griechenland | IWF fordert Schuldenerlass

Ist ein Schuldenerlass für Griechenland alternativlos?

26.09.2016

Neue Erkenntnisse beim IWF: ein Schuldenerlass für Griechenland scheint unumgänglich. Der Währungsfonds fordern härtere Maßnahmen und nennt die Vorgaben der Eurostaaten unrealistisch. Der Ton wird rauer. Die Politik auch?

Um Griechenland und die Schuldenkrise ist es ruhig geworden zumindest scheint es so. Doch das täuscht. Der internationale Währungsfonds (IWF) hat die griechische Wirtschaft auf den Prüfstand gestellt. Die Ergebnisse sind wenig aufbauend: Griechenland entwickle sich trotz Schuldenreform weiter ins Minus und häufe immer neue Schulden auf.

Fakten zeigen den Kern des Problems

241 Milliarden Euro hat Griechenland bisher aus den drei Rettungspaketen bekommen und noch immer ist kein Ende in Sicht. Deshalb fordert der IWF den Erlass der Schulden, um die weitere Überschuldung zu verhindern.

Das Land hat mittlerweile einen Schuldenberg von 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Grund dafür ist die schwache Wirtschaftsleistung Griechenlands. Diese sei mit den harten Maßnahmen der Gläubiger nicht in Einklang zu bringen.

Die Schulden entsprechen etwa dem deutschen Bundeshaushalt. – Horst Löchel, Ökonom an der Frankfurter School of Finance and Management

Steiniger Weg

Aber nicht nur die Gläubiger geraten beim IWF in die Kritik, auch die griechische Regierung soll ihre Vorgehensweise ändern. Zwar habe Griechenland bereits zahlreiche Einsparungen vorgenommen und damit Opfer gebracht, aber die bereits ergriffenen Maßnahmen reichen dem IWF bei Weitem nicht aus.

Die IWF-Forderungen: die Renten weiter kürzen und Steuerschlupflöcher schließen. Über die Hälfte der griechischen Lohnempfänger blieben dank Steuerschlupflöchern vor der Zahlung der Einkommenssteuer verschont. Die Ursache dafür sieht der IWF in mangelnden Reformen im Steuer- und Sozialsystem.

Es geht dem internationalen Währungsfonds darum, eine dauerhafte und nachhaltige Lösung zu finden und es ist klar, über kurz oder lang muss da ein Schuldenschnitt kommen. – Horst Löchel

Verlängerung der Schulden

Neben dem Schuldenschnitt wäre noch eine andere Lösung denkbar: Die Laufzeit der Kredite aus den drei Euro-Rettungsprogrammen könnte bis 2080 verlängert werden. So müsste Griechenland erst 2040 mit den Rückzahlungen beginnen. Das hat der IWF bereits im Mai diesen Jahres gefordert.

detektor.fm-Moderator Christian Eichler hat über das Thema mit dem Ökonom Horst Löchel von der Frankfurter School of Finance and Management gesprochen.

Horst LöchelDie absoluten Schulden Griechenlands sind seit drei bis fünf Jahren nicht mehr gestiegen. Was steigt, ist die Schuldenquote, das heißt das Verhältnis zwischen den absoluten Schulden und dem Bruttoinlandsprodukt.Prof. Dr. Horst Löchelbehält als Ökonom die griechische Wirtschaft im Blick.