Griechenland-Krise: Schuldenschnitt und Grexit?

Es könnt alles so einfach sein, ist es aber nicht

15.07.2015

Die griechische Regierung hat seit dieser Woche drei Jahre Zeit gewonnen. Reicht das, um den Grexit dauerhaft zu verhindern? Für den Ökonomen Gunther Schnabl ist ein Schuldenschnitt fast unausweichlich, aber auch der Grexit kaum zu verhindern.

Griechenland: Grexit abgewendet?

Der Reformplan für Griechenland ist das europäische Thema dieser Woche. Heute debattiert das griechische Parlament über den Kompromiss und geforderte Reformen: neue Regeln bei der Mehrwertsteuer, ein späteres Rentenalter und Ladenöffnungszeiten auch an Sonntagen. Einige Beobachter meinen, Tsipras sei bei den Verhandlungen gegenüber den Gläubigern eingeknickt. Er selbst hat im griechischen Fernsehen davon gesprochen, er habe keine Wahl gehabt, das Bestmögliche erreicht und glaube nicht an den Reformplan. Beim Kurznachrichtendienst Twitter hat sich in den letzten Tagen der Zorn auf Länder wie Finnland, die Niederlande und vor allem Deutschland unter Hashtags wie „ThisIsACoup“ oder „Boycott Germany“ Luft gemacht. Dabei sind amerikanische Ökonomen wie Paul Krugman oder Jeffrey Sachs häufig die Lieblinge der Kritiker. Dem US-Ökonomen Jeffrey Sachs wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Griechenland mag inkompetent sein, aber die Führer der deutschen Regierung sind grausam.“

IWF fordert Schuldenschnitt

Der internationale Währungsfonds hat in der Nacht ein Papier veröffentlicht, in dem die Experten zu einem Schuldenschnitt für Griechenland raten. Außerdem heißt es in dem Bericht, Griechenland habe zuletzt versagt, weil sie dem politischen Druck nicht widerstehen konnten, die Sparanstrengungen abzumildern, sobald im Haushalt ein Überschuss erzielt worden ist. Das lasse „Zweifel an der Annahme aufkommen, dass solche Ziele über einen ausgedehnten Zeitraum erreicht werden können“.

Die Schulden steigen ins Unermessliche, sie hängen wie ein Mühlstein am Hals des Landes. Ohne einen Schuldenschnitt wird Griechenland nicht zurück zu nachhaltigem Wachstum finden. – Gunther Schnabl, Universität Leipzig

Was bedeutet das dritte Hilfspaket für die Eurozone? Ist es ein Schrecken ohne Ende? Oder kann Griechenland nun in den kommenden drei Jahren aus der Krise herauskommen? Wir haben darüber mit Professor Gunther Schnabl gesprochen. Er forscht zum Thema Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig.

gunther schnabl_uni leipzig_copyright schnablDie Reformen hätten schon lange gemacht werden müssen. Griechenland verschleppt die Reformen weiter und das ist das größte Problem.Professor Dr. Gunther Schnablforscht am Institut für Wirtschaftspolitik der Universität Leipzig