Griechenland vor den Neuwahlen

Griechenlands Wahlen lassen Europa zittern

22.01.2015

Wenn am Sonntag Alexis Tsipras mit seiner Syriza-Partei bei den Wahlen in Griechenland die Mehrheit holt, hat er bewiesen: Eine europäische Revolution kann an einer griechischen Wahlurne beginnen. Denn die EU zittert vor einer Regierungsübernahme durch Syriza und dem griechischen Ausstieg aus dem Euro. Die griechischen Linken sehen eine Möglichkeit für eine andere Krisen-Politik in Europa.

Zweite Chance am 25. Januar

Am kommenden Sonntag entscheiden die Griechen, wie es in ihrem Land weitergeht: weiter sparen mit der Troika oder Linkspartei. Auch der Verbleib Griechenlands im Euro steht auf dem Spiel. Nach der dritten gescheiterten Präsidentschaftswahl und der Auflösung des Parlaments im vergangenen Dezember treten nun 22 Parteien und Bündnisse zu den vorgezogenen Wahlen an. Gesucht wird die sechste Regierung seit 2009. Wählen die Griechen erneut den derzeitigen Regierungschef Antonis Samaras und seine Partei Neue Demokratie, wird sich das Land weiter an den Spar-Auflagen der Troika orientieren. Doch unter der radikal linken Syriza-Partei könnte der Rausschmiss Griechenlands aus der Eurozone bevorstehen.

Bedroht Syriza die Eurozone?

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer befürchtet, das Wahlergebnis in Athen könnte eine ungeheure politische Krise in der Eurozone auslösen. Eine linke Mehrheit und eine neue Regierung, die mit dem Spardiktat aus Berlin und Brüssel bricht, könnte ganz Europa verändern. Auch das Kanzleramt bereitet sich auf einen möglichen „Grexit“ vor – ein Bankenkollaps, sollte Griechenland aus der Eurozone austreten.

Syriza zieht in Umfragen zur griechischen Wahl davon

Die Befürchtung, dass die oppositionelle Syriza-Partei die Wahlen gewinnen könnte, bestätigen aktuelle Umfragen. Unter der Führung von Alexis Tsipras konnte das Bündnis kurz vor den Wahlen ihren Vorsprung ausbauen und liegt mit rund 31 Prozent vor der derzeit regierenden Partei Neue Demokratie.

Was Europa vor den Neuwahlen in Griechenland wirklich zu befürchten hat, darüber hat Moderator Alexander Hertel mit Markus Kaiser von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung gesprochen. In Brüssel arbeitet er aktiv am Dialog mit der europäischen Politik.

Markus KaiserIch denke nicht, dass die Neuwahlen in Griechenland zu einem Austritt aus der Eurozone führen. Für die Griechen gehört die Erfindung der Demokratie zum Nationalgefühl wie für uns Deutschen die Ingenieurskunst. Von daher kam die Belehrung von außen bei den Menschen gar nicht gut an.Markus Kaiserist Programm-Manager für die Europäische Integration der Friedrich-Naumann-Stiftung in Brüssel. Foto: privat 

Redaktion: Luisa Sancelean