ICE München Berlin: Kritik an Strecke

Auf dem Abstellgleis

08.12.2017

Von München nach Berlin in unter vier Stunden – auf der neuen ICE-Trasse ist das nun möglich. Auf der Strecke gibt es verschiedene Reaktionen: Erfurt jubelt über seine neue Rolle als Verkehrsknotenpunkt – Städte wie Jena oder Weimar verlieren den ICE-Anschluss.

ICE München Berlin: Trasse eröffnet

26 Jahre hat es bis zur Einweihung der neuen Bahntrasse zwischen Berlin und München gedauert. Zugreisende können bald in München in den ICE steigen und knapp vier Stunden später in Berlin ankommen. Die Bahn hofft, sich dadurch auf einer der wichtigsten Strecken des Landes gegen Auto und Flugzeug behaupten zu können und neue Kunden zu gewinnen.

Erfurt als Drehkreuz

Der große Gewinner des Projektes ist Erfurt: Denn die Hauptstadt Thüringens bekommt nun schnelle Direktverbindungen nach München und Berlin. Entschieden haben das kurz nach der Wiedervereinigung Helmut Kohl und der damalige Thüringer Ministerpräsident Bernhard Vogel. Das zeigt, wie politisch die Entscheidungen über den Verlauf der neuen Strecke sind. Denn anstatt von Süden aus direkt nach Halle zu fahren, macht die Bahntrasse nun einen Schlenker durch den Thüringer Wald.

Es gab anschließend viele Studien, die nachgewiesen haben, dass eine direktere Trassenführung deutlich günstiger und genauso schnell gewesen wäre. Man hätte so mindestens eine Milliarde Baukosten eingespart. Alexander Eisenkopf, Professor für Wirtschafts- und Verkehrspolitik an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen

Wer bleibt auf der Strecke?

Für Städte wie Jena, Saalfeld oder Weimar ist die Eröffnung der neuen Bahntrasse kein Grund zum Jubeln. Denn zwischen Jena und Berlin gibt es dadurch zum Beispiel nur noch zwei ICE-Verbindungen am Tag. Den restlichen Fernverkehr sollen Züge in Richtung Erfurt abdecken.

Man wird jetzt versuchen, das etwa über eine bessere Anbindung des Nahverkehrs und zusätzliche Angebote etwas zu versüßen. Auf der anderen Seite können eben nicht alle bei einem solchen Projekt gewinnen. Alexander Eisenkopf

Warum die neue ICE-Strecke zwischen Berlin und München nicht für alle ein Grund zum Jubeln ist, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt mit Alexander Eisenkopf gesprochen. Er ist Professor für Wirtschafts- und Verkehrspolitik an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen und beschäftigt sich intensiv mit großen Bahnprojekten.

 

Redaktion: Laura Almanza