Ruanda verhängt Import-Verbot für Altkleider

Kleines Land, großes Vorbild?

08.01.2019

"Eine Frage der Würde" sagt Paul Kagame, Präsident von Ruanda. Er meint damit das Import-Verbot auf Secondhand-Kleidung.

Ruanda – klein, aber oho?

Ruanda liegt im Osten Afrikas und ist in Deutschland hauptsächlich wegen des grausamen Völkermordes 1994 bekannt. Dabei gibt es weit mehr über dieses kleine, bevölkerungsreiche Land zu wissen. Zum Beispiel gibt es seit 2008 ein Plastiktütenverbot. 2018 hat VW seine erste Fertigungsstelle in Ruanda eröffnet. Und die Mehrheit der Volksvertreter im Parlament ist weiblich.

Dazu kommt, dass Anfang dieses Jahres der Import von Altkleidern verboten wurde. Die Idee gibt es schon seit 2015. Eigentlich wollten auch Kenia, Uganda und Tansania ein Import-Verbot für Secondhand-Kleidung verhängen. Nachdem aber US-Präsident Donald Trump mit dem Ausschluss aus dem Wirtschaftsabkommen AGOA gedroht hat, sind die anderen Länder abgesprungen. Deshalb hat Ruanda nun als einziges Land diese Regelung eingeführt.

Symbolträchtig und wirtschaftlich erfolgreich

Damit möchte der Präsident Ruandas, Paul Kagame, zeigen, dass sein Land nicht „secondbest“ ist. Natürlich verspricht er sich davon auch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Vergleich zu Nachbarländern gilt Ruanda als politisch stabil und sicher für ausländische Investoren. Die Textilindustrie soll so weiter gestärkt, mehr Arbeitsplätze geschaffen und die Abhängigkeit vom Ausland verringert werden.

Es hat aber auch etwas mit den wirtschaftlichen Visionen zu tun: Dass eben doch auch in großen Maßstäben […] gedacht wird, als das in vielen anderen afrikanischen Ländern der Fall ist. Ruanda ist da sehr viel eigenständiger. – Stephan Klingebiel, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

Über die Auswirkungen des Importverbots und über die wirtschaftliche Lage Ruandas allgemein hat detektor.fm-Moderatorin Bernadette Huber mit Stephan Klingebiel vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) gesprochen.

RuandaInsofern sehe ich eben die Möglichkeiten, auch für ein so kleines Land wie Ruanda (…), durchaus auch großen Ländern wie den USA vielleicht mal auf die Füße zu treten.Stephan Klingebielist Abteilungsleiter für „Bi- und multilaterale Entwicklungspolitik“ am Deutschen Institut für Entwicklungszusammenarbeit. 

Redaktion: Maria Zahn