Industrie- und Handelskammer: Wie sinnvoll ist die Zwangsmitgliedschaft für Unternehmen?

11.10.2012

Immer mehr Unternehmen kritisieren die Zwangsmitgliedschaft in der IHL und wollen nicht länger mitmachen. Wie sinnvoll ist die Pflichtmitgliedschaft - und wie wahrscheinlich ist es, dass sie durch den Druck der Kritiker abgeschafft wird?

Trotz ihres 150-jährigen Bestehens sehen viele Unternehmen in der IHK nicht nur Gutes. Foto: © Matthias Rietschel / dapd

Die Industrie- und Handelskammer soll die Interessen von Unternehmen in Deutschland vertreten und öffentliche Aufgaben für sie übernehmen. Beispielsweise organisiert sie die Berufsausbildung, indem sie Prüfungsausschüsse bereitstellt. Sie soll so die Wirtschaftsbetriebe, aber auch den Staat entlasten. Die Mitgliedschaft zur IHK ist in Deutschland Pflicht. Die Beiträge reichen von wenigen hundert Euro pro Jahr für kleine Firmen bis hin zu mehreren 100.000 Euro jährlich für Großbetriebe.

Genau das aber wollen immer mehr Firmen nicht. Die Kritik wird lauter: Einige Unternehmen bemängeln, die IHK verfüge über riesige Geldsummen – auch von jenen Mitgliedern, die eigentlich keinen Wert auf ihre Mitgliedschaft legen. Auch dass die Gelder für den Bau großer und moderner Zentralen und Gebäude verwendet werden, stößt bei manchen Firmeneignern auf Unverständnis.

Zudem bietet die Mitgliedschaft, besonders nach Meinung vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen, keinen Mehrwert. Die IHK übernehme zu viele Aufgaben, kümmere sich gleichzeitig aber nicht ausreichend um die Vertretung ihrer Interessen, kritisieren sie.

Der größte Widerstand besteht derzeit in Berlin. Dort will die Initiative „ProKMU“ gegen die Zwangsmitgliedschaft vorgehen. Seit diesem Sommer haben Teilnehmer der Initiative auch Sitze in der Berliner IHK-Vollversammlung erhalten.

Ob die Kritiker, mit ihrem Vorhaben, die Zwangsmitgliedschaft für die IHK abzuschaffen, Erfolg haben werden, hat Ex-BDI-Präsident und IHK-Kritiker Hans-Olaf Henkel für uns eingeschätzt.