Kaufhof von kanadischem Investor übernommen

Kaufhof, Karstadt & Co: Sind Kaufhäuser noch zeitgemäß?

15.06.2015

Für fast 3 Milliarden Euro will der kanadische Kaufhauskonzern Hudson's Bay die Galeria-Kaufhof-Kette übernehmen. Ein gewagtes Geschäft, finden nicht wenige. Kaufhäusern in Deutschland wurde in den letzten Jahren keine rosige Zukunft prophezeit. Onlinehandel und die steigenden Ansprüche der Konsumenten machen es ihnen schwer. Verschwinden die Shopping-Tempel bald?

Nach langen Verhandlungen verkauft der Handelskonzern Metro sein Tochterunternehmen Galeria Kaufhof an das kanadische Unternehmen Hudson’s Bay. Die Kanadier wollen damit auf dem europäischen Markt Fuß fassen und die Basis für weitere Expansion legen.

Besonderer Leckerbissen für die Investoren: Knapp die Hälfte der Karstadt-Immobilien in bester Innenstadtlage werden bei dem Deal mitverkauft. Hudson’s Bay will nicht nur alle 21.500 Stellen erhalten, der Konzern will massiv in die 140 Filialen investieren. Karstadt-Eigner Rene Benko ging im Wettstreit um das Traditions-Kaufhaus leer aus und muss nun mit verstärkter Konkurrenz rechnen.

Schwächelnde Kaufhäuser

Was sich nach einem gewinnbringenden Geschäft für Metro und Hudson’s Bay anhört, ist tatsächlich eine der wenigen positiven Nachrichten in der deutschen Kaufhauslandschaft. Der Umsatz der Kaufhäuser in Deutschland sinkt seit Jahren. Galeria Kaufhof hat seit der Jahrtausendwende 840 Millionen Umsatzeinbußen wegstecken müssen. Immer wieder war davon zu lesen, dass in deutschen Warenhäusern Stellen gestrichen werden und Fillialen schließen müssen.

Spezialgeschäfte vor Generalisten

Fachgeschäfte laufen den Generalisten seit Jahren den Rang ab. Wer ausgewählte Produkte, Fachberatung und gute Preise will, geht schon lange nicht mehr in die großen Konsumtempel in der Innenstadt. Einkaufszentren bieten die selbe Produktbreite, allerdings mit Markenläden und Fachspezialisten an.

Als Reaktion auf diese Entwicklung haben sich auch die Kaufhäuser stärker auf Textilien und Kosmetik konzentriert.  Luxus-Kaufhäuser wie das KaDeWe oder das Alsterhaus in Hamburg schneiden ohnehin besser ab.

Online-Handel wirbt Kunden ab

Doch die große Konkurrenz ist gar nicht in der Nachbarschaft zu suchen. Sie ist im Internet. Der Online-Handel boomt, auf Plattformen wie Amazon gibt es das gesamte Angebot der Kaufhäuser, zu besseren Preisen und ohne das lästige Gedränge.

In den letzten Jahren konnte durchgehend ein zweistelliges Wachstum verzeichnet werden. Zahlen, von denen Warenhäuser nur träumen können. Diese müssen sich neue Konzepte einfallen lassen, um die Gänge wieder mit Kunden zu füllen. Einige Ketten setzen bereits verstärkt auf exklusive Marken, Wellness- und Beautyangebote oder Gourmetabteilungen – und steigen selbst in den Onlinehandel ein.

Was wird also aus den Kaufhäusern – Neuanfang oder das bewährte Konzept wieder salonfähig machen? detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf hat mit Ulrike Regele vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag über die Herausforderungen gesprochen.

regele_kaufhäuserEs ist nicht mehr so ein Selbstläufer wie vor zehn Jahren, dass die Menschen in die Stadt kommen und kaufen. Da werden neue Konzepte erforderlich sein. Ulrike RegeleReferatsleiterin Handel beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag 

Redaktion: Mona Ruzicka