Keine Roaming-Gebühren mehr in der EU

Die mobile Grenzöffnung

14.06.2017

Ab dem 15. Juni sind die teilweise absurden Roaming-Gebühren in der EU abgeschafft. Im europäischen Ausland werden Handygespräche, Nachrichten und Daten billiger. Gibt es trotzdem Tarife, bei denen man aufpassen muss?

Roaming-Gebühren verschwinden

Ab dem 15.6.2017 dürfen Mobilfunkanbieter in der EU keine Roaming-Gebühren mehr erheben. Die Nutzung ausländischer Telefonnetze wird dann genau wie im Inland berechnet. Das gilt für alle 28 EU-Länder sowie Island, Liechtenstein und Norwegen.

„Roaming“ heißt soviel wie „herumwandern“ oder „streunen“. Eigentlich logisch, denn der Kunde eines Mobilfunknetzes bleibt selten an einer Stelle. Wenn sie oder er beim „Herumwandern“ aber das Heimnetzwerk – in unserem Fall Deutschland, Österreich oder die Schweiz – verlässt, kann sie oder er auch nichts mehr empfangen. Denn dann müssen teilweise fremde Netzwerke genutzt werden. Durch Roaming kann man also über andere Anbieter surfen, telefonieren und SMS schreiben.

Grenzen für Anbieter

Seit Jahren will die EU-Kommission die Roaming-Gebühren für Kunden abschaffen. Telefoniert beispielsweise der Kunde eines deutschen Anbieters in Italien, so nutzt er dabei das Netz eines italienischen Anbieters. Für diesen Service bezahlt der deutsche Anbieter die italienische Firma. Die dabei entstehenden Kosten musste bisher der Kunde übernehmen.

Ziel des EU-Projektes ist, die Kosten durch eine Obergrenze zu deckeln. Damit soll der Wettbewerb weiter bestehen bleiben. Deshalb haben sich die EU-Mitgliedsstaaten und Vertreter des Europaparlaments im Januar auf Roaming-Grenzen für den Großhandel geeinigt. Für uns Kunden eine große Errungenschaft, da die neuen Preise 90 Prozent unter den bisherigen Begrenzungen liegen.

Man muss sich vorher am besten nochmal bei seinem Anbieter informieren, ob man seinen Vertrag wirklich eins zu eins ohne Einschränkungen im EU-Ausland nutzen kann. – Thomas Grund, Stiftung Warentest

Nie mehr Gebühren?

Gerade die Nutzer von Billiganbietern sollten sich bei der Tarifwahl keinesfalls auf das gebührenfreie Roaming verlassen. Denn so mancher auffällig preiswerte Tarif ist ausschließlich für die nationale Nutzung gedacht. Auch Community-Tarife gelten nur bedingt im Ausland weiter. Anbieter wie Aldi, Edeka, Rossmann und Tchibo bieten Kunden des gleichen Anbieters nur innerhalb Deutschlands an, günstiger zu telefonieren. Besonders bei der Internet-Nutzung kann es außerdem sein, dass sich die Preise erhöhen.

Thomas Grund analysiert den Markt für die Stiftung Warentest und hat detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert im Gespräch erklärt, warum es sich lohnt, den Handyvertrag vor der nächsten Auslandsreise nochmal anzuschauen.

RoamingMan kann sein Telefonverhalten im Wesentlichen beibehalten und das ist, finde ich, eine gute Nachricht, auf die wir ja auch schon lang genug gewartet haben.Thomas GrundMarktanalytiker bei der Stiftung Warentest 

Redaktion: Dorothea Günther