Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: notwendiges Übel?

23.08.2011

Ein Pharmakonzern wie Bayer verfolgt wirtschaftliche und profitorientierte Ziele. Die Universitätsklinik in Köln will ausbilden und forschen. Können die Studenten der Uniklinik nicht einfach für Bayer forschen und statt Geld Credit-Points kassieren? Welchen Deal Bayer und die Uni Köln haben, wird noch geheim gehalten. Klar wird aber: Wenn private Geldgeber an Hochschulen herantreten, kann es Probleme geben.

Der Pharmakonzern Bayer soll durch finanzielle Unterstützung der Universitätsklinik Köln billig an Forschungsergebnisse gekommen sein.  / Foto: © Henning Kaiser/dapd.

Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gibt es viele in Deutschland. Sie füllen die Lücke, die der Staat wegen leerer Kassen nicht mehr füllen kann. Die Vattenfall-Professur an der Universität Leipzig, die Bundesbank-Professur in Berlin oder die Telekom-Professur in Kiel – all das sind Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Hochschulen. Eine Kooperation hat jetzt für Aufsehen gesorgt: Zwischen dem Pharmakonzern Bayer und die Universitätsklinik Köln gibt es einen Vertrag, der bislang geheim gehalten wird. Bayer wird vorgeworfen Wissenschaftsförderung zu betreiben, die dem Konzern für vergleichsweise wenig Geld zu Forschungsergebnissen der Uni Köln verhilft. Das industriekritische Bündnis „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ hat dagegen jetzt eine Klage eingereicht und die Offenlegung des Abkommens gefordert.

Stifterverband für die deutsche Wissenschaft.Melanie Schneider.Stifterverband für die deutsche Wissenschaft. 

Ab wann eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zum Problem wird, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. „Die private Förderung wird zunehmen, weil die staatliche Finanzierung von Universitäten auf wackligen Beinen steht“, meint Melanie Schneider vom Stiftterverband für die deutsche Wissenschaft. Sie leitet das Programm „Stiftungsprofessuren“ und hält Stiftungen für notwendig, solange sich die Stifter an bestimmte Regeln wie Transparenz und Unabhängigkeit halten.

Melanie Schneider über Notwendigkeit privater Förderung an Hochschulen.

Vorsitzender des Bundes Freiheit der Wissenschaft.Winfried Holzapfel.Vorsitzender des Bundes Freiheit der Wissenschaft. 

Winfried Holzapfel sieht das kritischer. Er ist einer der Vorsitzenden des Bundes Freiheit der Wissenschaft e.V.

„Geld darf nicht zu einer Gefälligkeitswissenschaft führen; wissenschaftliche Einrichtungen müssen dieser Gefahr widerstehen und unabhängig vom Geldgeber forschen“, so Holzapfel.

Winfried Holzapfel über Gefahren von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

 


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