Kreativwirtschaft – Pionier und Vordenker Charles Landry

12.12.2012

Am 17. Dezember gibt es auf detektor.fm eine neue Ausgabe von "vox:publica", dieses Mal zum Thema "Kreativwirtschaft". Charles Landry gilt als ein Vordenker und Pionier auf diesem Gebiet . Wir haben ihn zu einem Interview getroffen.

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Freistehende Leerflächen kreativ zu nutzen ist nur ein Teilaspekt der Kreativ- und Kulturwirtschaft. Foto: © Philipp Guelland/dapd

Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat in den vergangenen Jahren einen immensen Schub erfahren. Dabei handelt es sich um eine dynamische Branche der Ökonomie, die Bereiche der Kreativität, Innovation und des Wissens in sich vereint. Der Begriff ist hierbei jedoch nicht eindeutig einzuordnen und führt dabei zu Verflechtungen von Politik, Kultur und Wirtschaft.

 

Städteforscher und Autor.Charles LandryStädteforscher und Autor. 

 

Ein Vordenker auf dem Gebiet der Kreativwirtschaft ist der britische Städteforscher und Publizist Charles Landry. Seit den 1970er Jahren beschäftigt er sich mit der Kultur- und Kreativwirtschaft und gilt mit seinem Modell der „Kreativen Stadt“ als Pionier in dem Bereich.

 

Ende November hat in Leipzig die Abschlusskonferenz zum EU-Projekt „Creative Cities“ stattgefunden, an der auch Charles Landry teilgenommen hat. Im detektor.fm-Interview hat er uns verraten, was für ihn eine kreative Stadt ausmacht.

 

 

Eine kreative Stadt besitzt für mich zwei Seiten. Auf der einen Seite geht es um das Empfinden ein Bürger zu sein, der seine Stadt mitgestaltet. Du spürst, dass du daran teilhaben kannst. Man spürt, dass man als Individuum die Kraft hat, Dinge zu verändern. Auf der anderen Seite geht es bei kreativen Städten auch um verschiedene Wahlmöglichkeiten, die dich mit einbeziehen können. Ich persönlich denke, dass eine kreative Stadt eher auf das Produzieren als auf das Konsumieren ausgerichtet ist.

 

Für ihn ist die Kreativität eines Menschen ein wichtiger Faktor, der zur Entwicklung einer innovativen Umgebung ausschlaggebend ist.

 

 

Viele Arten von Kreativität kann man nicht sehen, denn sie sitzt im Geist eines Menschen. Und der Verstand ist ein offener und flexibler Geist, der einem zuhört. Für mich ist eine kreative Umgebung etwas, wo ich ein Gespräch führen kann. Wo ich meine Meinung austauschen kann und wir aus der Unterhaltung etwas aufbauen können, aus dem sich etwas entwickelt.

 

Kreativität und Innovation sind dabei zwei Begriffe, die sich für den Städteforscher Landry seit dem Beginn seiner Forschung in den 70er Jahren gewandelt haben. Heutzutage nehmen sie in seinen Augen eine immer höhere Bedeutung in unserem Alltagsleben ein.

 

 

Langsam realisieren wir, dass wir soziale Innovationen brauchen. Soziale Medien sind zum Beispiel solch eine Innovation. Man braucht Innovationen und Kreativität im Geschäftsleben und anderen Bereichen. Grundlegend bemerken die Menschen, dass Kreativität die Voraussetzung für all diese Dinge ist und dass sie immer wichtiger wird.

 

Ein Aspekt der Charles Landry bei der Kultur- und Kreativwirtschaft besonders wichtig erscheint, ist die Tatsache, dass sich der Begriff nicht eindeutig nur einer Branche zuordnen lässt.

 

 

Was viel wichtiger beim Sektor der Kreativwirtschaft ist, ist die Weise, wie sie in andere Bereiche übergreift.Es ist in etwa wie mit der Elektrizität. Ich betrachtete die Sache als Ganzes, denn die verschiedenen Branchen greifen ineinander über.

Am 14. Dezember 2012, wenn die Initiative der Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung in Berlin auf ihrer Jahreskonferenz tagt, ist detektor.fm vor Ort und schafft Raum für offenen Diskurs. Ausnahmsweise entsteht bereits dort während der Konferenz die neue Ausgabe von vox:publica und wird dann am 17. Dezember um 21 Uhr ausgestrahlt.

Mitmachen könnt ihr ab sofort!

Wir geben eurer Sicht ein Forum mit Fragen zu folgenden Themen:

  • Innovationskraft – Ist die Kreativwirtschaft nur eine gehaltlose Wortschöpfung oder können andere Branchen von ihr lernen? Und wenn ja, was? Unkonventionelles Denken? Flexibilität? Stimmt ab!
  • Neue Geschäftsmodelle – Ein Unternehmen zu gründen ist eine Wissenschaft für sich. Crowd-Funding, flattr und Co – Welches Geschäftsmodell hat Zukunft? Oder mit welchem habt ihr schlechte Erfahrungen gemacht?
  • Neues Arbeiten – Wo und wie arbeitet ihr? Welches Arbeitsmodell aus der Kreativwirtschaft hat das größte Potential?

Wie ihr mitmachen könnt?

Bis zum 14. Dezember könnt ihr über die kostenlose detektor.fm-App mitmachen. Die bekommt ihr für iPhones und Android-Geräte.