Lateinamerika | Wirtschaftskrise in Venezuela

Versinkt Venezuela im Ölpreiskampf?

27.02.2015

Venezuela könnte eines der reichsten Länder der Welt sein. Große Mengen an Rohöl lagern hier noch unter der Erde. Doch das Land kann den Brennstoff nicht abbauen. Venezuela fehlt Geld für die notwendigen Fördertechnologien und das Land steckt in einer Wirtschaftskrise.

Zähflüssig, schwarz glänzend und tief verborgen: Erdöl. Das sogenannte schwarze Gold ist nur schwer zu fördern – und doch bestimmt es die Weltwirtschaft. Wer es besitzt, dem stehen die Türen zu Reichtum und Macht offen.

Tatsächlich verspricht Erdöl nicht immer den erlösenden Geldsegen. Venezuela, das Land mit den vermutlich größten Ölreserven der Welt, plagt eine schwere Wirtschaftskrise. Im vergangenen Jahr stieg die Inflationsrate auf mehr als 60 Prozent. Lebensmittel werden rationiert. In den Medien ist sogar die Rede von einem drohenden Staatsbankrott. Wie kann das sein?

Einseitige Wirtschaft

Die Haupteinnahmequelle des Landes ist Erdöl. Rund 95 Prozent aller staatlichen Mittel erwirtschaftet Venezuela mit dem Verkauf des Brennstoffs. Ein Zehntel der Einnahmen sollen allein aus den Gewinnen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA stammen. Wirtschaftszweige außerhalb der Erdölindustrie existieren kaum. Ein Großteil der venezolanischen Unternehmen dominiert der Staat. Die Privatwirtschaft spielt kaum eine Rolle.

Während sich in den vergangenen Jahren Ölmächte wie die Vereinten Arabischen Emirate verstärkt auf neue Wirtschaftsweige wie Tourismus konzentrierren, entwickelte sich Venezuelas Wirtschaft kaum weiter. Das macht dem Land nun schwer zu schaffen.

Gefangen im Strudel

Noch vor wenigen Jahren kündigte die venezolanische Regierung an, die Erdölförderung zu steigern. Die Quellen im Orinoco-Gürtel sollten erschlossen werden. Knapp eine Millionen Barrel Erdöl wollte Venezuela hier pro Tag fördern. Daraus geworden sind nur 6000 Barrel. Hinzu kommt, dass ein Großteil der venezolanischen Reserven aus teerartigem Schweröl bestehen soll. Dieses lasse sich nur unter großem Aufwand weiterverarbeiten. Auch die Förderung sei teuer.

Das alles macht es Venezuela nicht gerade leicht, sich im derzeitigen Preiskampf zwischen den Vereinigten Staaten und den Emiraten zu behaupten. Während Länder wie der Oman mit dem preiswerten Fracking-Öl der USA mithalten können, hält Venezuela den aktuellen Kurs nur schwer aus. Die rückläufigen Gewinne aus dem Export von Erdöl kann Venezuela nicht mit Einnahmen aus anderen Wirschaftszweigen kompensieren. Die Krise wächst.

Wieso es der Wirtschaft Venezuelas so schlecht geht und inwiefern der fallende Erdölpreis daran Schuld ist, darüber hat Moderatorin Maj Schweigler mit Alejandro Márquez-Velázquez gesprochen. Der Venezolaner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lateinamerika Institut der FU Berlin.

Alejandro Márquez-VelázquezEigentlich könnte die Krise der Erdölpreise eine Möglichkeit bieten, andere Sektoren zu entwickeln. Die venezolanische Regierung hat den Tausch von Devisen auf dem Schwarzmarkt legalisiert. Das hat den Mindestlohn sehr gesenkt, weshalb Exportinvestoren kommen könnten. Allerdings müsste die Regierung den Unternehmen andere Konditionen und Sicherheiten bieten. Alejandro Márquez-Velázquezist Venezolaner und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lateinamerika Institut der FU Berlin. 

Redaktion: Marie-Kristin Landes