Machen statt Quatschen | Geheimpunkt – Die Schatzsuche

"Wir sind keine Spinner, die um 11 Uhr zur Arbeit kommen."

11.06.2014

Wir besuchen eine Firma, die den Freizeittrend Geocaching aufgreift und für Firmen und andere Kunden weiterentwickelt. Die GeheimPunkt GmbH aus Hannover lässt ihre Kunden mit GPS-Geräten kleine Schätze suchen.

Geocaching ist vielen Deutschen mittlerweile ein Begriff. Das Hobby begeistert Menschen quer durch alle Bevölkerungsschichten von der Studentin bis zum Familienvater. In Hannover sitzt mit der GeheimPunkt GmbH eine Firma, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Geocaching für Unternehmen attraktiv zu machen. Seit mehr als vier Jahren arbeiten Christian Pecar und Daniel Pflieger als professionelle Geocacher. Sie haben aus ihrem Hobby ihren Beruf gemacht.

Christian Bollert hat Daniel Pflieger in Hannover besucht.

Daniel Pflieger Foto: privatIch bin Daniel, ich verstecke Schätze. Letztendlich beschäftige ich mich mit Geocaching und setze dieses schöne Medium ein für allerlei Projekte.Daniel Pflieger arbeitet als professioneller Geocacher. 

 


 

Der Beitrag zum Lesen

Ich bin Daniel, ich verstecke Schätze. Letztendlich beschäftige ich mich mit Geocaching und setze dieses schöne Medium ein für allerlei Projekte. Für Teamevents, für Betriebsausflüge in der Hauptsache, aber auch zunehmend mehr für Marketingkonzepte und touristische Konzepte und Projekte.

Es ist ein warmer Sommertag in Hannover an dem wir Daniel Pflieger in der Halle 96 des Zentrums für Kreative treffen. Wir sitzen in der Werkstatt, wo er und seine Kollegen sonst an neuen Schlössern und Verstecken basteln. Der 30-jährige dreifache Familienvater spricht mit einem Eis in der Hand über seine Leidenschaft Geocaching, die Schnitzeljagd mit GPS-Empfängern, und über diese eine Frage, die sich ihm schon früh gestellt hat.

Ob ich das, diese Leidenschaft, nicht vielleicht irgendwie zum Beruf machen kann. Also, als ich Geocaching entdeckt habe, war das ein sehr früher Gedanke. Das war etwa vor sieben Jahren als ich das als Hobby begonnen habe und ein paar Monate später kamen so die ersten Gedanken, wie kann ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen.

Das Geocaching, manchmal auch GPS-Schnitzeljagd genannt, ist seit einigen Jahren ein Freizeittrend in Deutschland.
Mittlerweile gibt es unzählige Verstecke, in denen in einem wasserdichten Behälter ein Logbuch und kleinere Überraschungen versteckt sind. Aber aus diesem Hobby eine Geschäftsidee zu entwickeln, ist eine Herausforderung. Daniel Pflieger von GeheimPunkt – Die Schatzsuche erinnert sich an die Anfänge mit seinem Partner Christian Pecar.

Die erste Idee war, ich verkaufe Produkte an Leute, die das Hobby auch vertreiben und verdiene damit so ein bisschen Geld. Das haben wir auch umgesetzt und mein Partner und ich haben zunächst einen Geocaching-Webshop eröffnet. Wir hatten selbst zwei eigenentwickelte Produkte in dem Shop und dann noch ein bisschen Utensilien dazu gekauft und hatten dann ein ansehnliches Sortiment, was wir versucht haben, an die Community zu bringen. Das ist aber nicht so gut geglückt.

Die Initialzündung für die Idee Geocaching für Firmen und andere Kunden anzubieten, kam von einer Schulklasse. Die Schüler wollten schlicht wissen, wie Geocaching eigentlich genau funktioniert. Für die Firma ist das der Startschuss gewesen. Ein Jahr lang arbeitet Daniel Pflieger, der bis dahin als Heilerziehungspfleger mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung gearbeitet hat, nebenberuflich an dem Projekt. Dann ist für ihn klar, die Selbstständigkeit ist ein realistisches Ziel. Von Beginn an haben die beiden Gründer kein Problem Kunden zu finden, die Preisgestaltung ist jedoch schwieriger, gibt es doch für Geocaching keine Preistabellen:

Letztendlich haben wir bei Folgegeschichten die Preisschraube auch immer nochmal nach oben gedreht, weil erst im Nachhinein manchmal deutlich geworden ist, was für einen Aufwand wir tatsächlich abgeleistet haben. Wir sind eigentlich bei all den Dingen, die wir bisher an den Markt gebracht haben, erst einmal zu niedrig mit dem Preis rangegangen.

Anfangs hat Daniel Pflieger ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn er Aufwand, Ideen und Kreativität in Rechnung gestellt hat. Dafür hat sich das Unternehmen in den letzten vier Jahren jedoch sehr gut entwickelt. Fast jeder Monat war besser als der Monat davor. Ein Indiz dafür, dass die Gründer eine gute Idee hatten.
Heute arbeiten die Mitarbeiter der GeheimPunkt GmbH meist für Firmen. Das können Abteilungsausflüge, Teamtrainings oder auch Kundenveranstaltungen sein. Jetzt hat Daniel Pflieger auch ein sehr klares Bild von sich und seiner Rolle im Unternehmen:

Ich bin ein Unternehmer, auf jeden Fall. Meine Aufgaben im Unternehmen haben sich auch gewandelt, ich mach gar nicht mehr viele Touren selbst. Ich bin mehr dabei Akquise zu betreiben, bin auf sehr vielen Netzwerkveranstaltungen unterwegs. Ich bin auch viel am Disponieren und am Organisieren, das macht mir aber Spaß.

Neben Firmen gehören seit einigen Monaten auch öffentliche Auftraggeber zu den Kunden der GeheimPunkt GmbH. Erst haben sie für die Müllabfuhr und den Tourismusverband in Hannover GPS-Schnitzeljadgen entwickelt und mittlerweile wollen immer mehr Tourismus-Iniativen ihre Region mit dem Geocaching attraktiver machen. Seine drei Kinder kann Daniel Pflieger mit seinem Hobby, was er zum Beruf gemacht hat, ernähren und er freut sich darüber, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit bekommen hat.

Ich finds gut, dass es mehr in den Fokus der Allgemeinheit rückt, dass wir nicht nur Spinner sind, die erst um elf Uhr zur Arbeit kommen, zur Arbeit in Anführungsstrichen, und dann irgendeinen Quatsch machen. Das es als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen wird, finde ich gut. Eine schöne Entwicklung, die ich gern auch unterstütze.