Machen statt Quatschen – storyfeed – Werbung für den zweiten Bildschirm

19.02.2013

In dieser Woche stehen bei uns junge Gründer aus der Kultur- und Kreativwirtschaft im Mittelpunkt. Am Montag haben wir darüber berichtet, wie Ideen aus der Computerspielwelt auch für andere Branchen nützlich sein können. Heute widmen wir uns einem sozialen Fernseh-Phänomen.

Kultur- und Kreativpiloten 2012: Auf dem Bild (v.l.n.r): Norman Schulz, Thomas Grandoch (storyfeed), Hans-Joachim Otto (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium), Katrin Bauerfeind. Foto: © BMWi, Andreas Kermann.

Einer der Gründer von >storyfeedThomas Grandoch.Einer der Gründer von >storyfeed<. 

Immer mehr Zuschauer nutzen während des Fernsehens ein zweites Gerät, meist ein mobiles internetfähiges Telefon oder einen Tabletcomputer. Mit Hilfe des sogenannten „Second Screen“ kommunizieren tausende Menschen über das gerade Gesehene. Besonders offensichtlich wird diese Entwicklung, wenn man einmal während des sonntäglichen Tatorts Twitter oder Facebook nutzt. Durch den zweiten Bildschirm entsteht eine zusätzliche Ebene.

Die Berliner Thomas Grandoch und Marc Holtbecker haben mit „storyfeed“ ein Unternehmen gegründet, dass sich mit der Vermarktung von Anzeigen für solche „second screen“-Anwendungen beschäftigt.

Christian Bollert hat „storyfeed“ für uns besucht.

„storyfeed“ gehört zu den Kultur- und Kreativpiloten des Bundeswirtschaftsministeriums. Bis zum 31. März können sich dort Unternehmer aus der Kultur- und Kreativwirtschaft bewerben.


Berlin Charlottenburg, Einsteinufer 43. Hier sitzt die Universität der Künste. Wir suchen jedoch keine Künstler, sondern die Macher von „storyfeed“. Nach dem Fahrstuhl rechts und den Gang entlang, vorbei an Proberäumen des Jazzinstituts. Kurz vor Zimmer 119, in dem „storyfeed“ sitzen sollen, wird man kurz stutzig. Schuld ist Professor Tenner vom Jazzinstitut Berlin und seine Schüler. Wir treffen Thomas Grandoch, einen der beiden Gründer von „storyfeed“. Die Klavierklänge aus dem Nebenraum sind für ihn Alltag.

Hier in dieser ersten Etage sind gleichzeitig einige Übungsräume des Jazz-Instituts und genau neben uns wird vor allem Klavier geübt. Das kriegen wir dann immer sehr schön mit. Letzte Woche erst wurde ich angesprochen von dem Professor der da tätig ist, ob und das nicht stört. Aber ich habe ihm glaubhaft versichern können, dass es uns eigentlich nicht stört, sondern dass das auch ganz angenehm sein kann, dass wir sogar wenn er nicht da ist, Radio anmachen hier drin.

Thomas Grandoch und sein Partner Marc Holtbecker haben beide auch an der Universität der Künste studiert, aber ihr Schwerpunkt ist eher das Marketing. Zusammen haben sie in Kooperation mit einer großen Werbeagentur an einer Diplomarbeit gearbeitet.

Mobile Storytelling“ war der Titel. Also es ging um mobiles Geschichtenerzählen und da kommt dann Jung von Matt ins Spiel, die Werbeagentur, wie man dieses nutzen kann.

Aus dieser Idee ist dann über die Monate die Firmenidee von „storyfeed“ entstanden. Beide Gründer haben erkannt, dass die parallele Nutzung von mobilen Geräten während des Fernsehens immens wächst und neue Chancen eröffnet. Neue Chancen des Geschichtenerzählens und aber auch neue Vermarktungschancen. Genau hier setzt die Geschäftsidee von „storyfeed“ an.

Was wir machen ist im Prinzip da mit der gleichen Logik wie ein Online-Adserver funktioniert, der ja letztendlich auf allen möglichen Seiten diese Werbebanner und so weiter schaltet. Und so versuchen wir eine Plattform zu schaffen, die das auch automatisch in solchen Second-Screen-Anwendungen füllt, also solche Ad-Spaces füllt. Aber mit dem Kniff, dass es synchron ist zum Fernsehprogramm.

Damit das Fernsehprogramm auch tatsächlich synchron erfasst wird und für Werbekunden genutzt werden kann, arbeitet das Team von „storyfeed“ daran, zwei Dinge zusammenzuführen: Sie wollen die Audiospur und die Videospur des Fernsehprogrammes abgleichen und damit ein besonders präzises Ergebnis erzielen. Glauben Sie doch daran, dass eine Kombination von klassischer Werbung mit Werbung auf mobilen, nebenbei genutzten Geräten besonders effektiv ist.

Noch ein weiterer Hintergrund der ganzen Sache ist, dass eben auch Studien belegen, dass solche Verknüpfung eigentlich von reiner TV-Werbung, die ja super emotionale Bilder, zum Beispiel von Autos, zeigt und auch eine sehr große Reichweite erzielt. Dass aber gerade die Verknüpfung mit Interaktivität, die Online-Werbung bietet, dass dadurch das Potential und die Effektivität der Werbung enorm gesteigert werden kann. Und wir machen das eben technisch möglich.

„Second-Screen“-Anwendungen gibt es mittlerweile von verschiedenen Anbietern. Von Fernsehsendern aber auch von freien Software-Entwicklern wie GetGlue, Miso oder Couchfunk (deutsch aussprechen) gibt es Apps, welche die Idee eines zweiten Bildschirms nutzen. Für Thomas Grandoch fehlt es jedoch an einem übergreifenden Standard.

Was der gesamten Branche momentan fehlt, auch den Fernsehsendern übrigens wie wir aus Gesprächen mit denen herausgefunden haben, ist eine Art standardisierte Monetarisierungsmöglichkeit dafür. Denn die Werbekunden, die im Fernsehen werben, für die zählt natürlich in erster Linie Reichweite. Dennoch müssen die Fernsehsender crossmedialer denken, dass tun sie auch, langsam. Aber es gibt es eben noch keine Möglichkeit bisher auf dem Bereich des Second Screens genauso standardisiert Werbung zu schalten, wie es jetzt bereits im Onlinebereich funktioniert.

Das will das Team von „storyfeed“ ändern. Sie wollen während laufender Fernsehsendungen Werbung auf den zweiten, meist mobilen Bildschirm bringen. Diese Idee sollen Fernsehsender aber auch App-Entwickler kaufen. Ein Prototyp ist bereits so gut wie fertig. Für ihren Traum arbeiten die vier momentan jeden Tag in Raum 119 der Universität der Künste, gleich neben dem Klavierübungsraum des Jazz-Instituts.