Machen statt Quatschen | Trekkers Huus

Urlaub im autarken Öko-Hotel

09.05.2017

Schönes Luxushotel mit Pool, Backpacking oder doch lieber ein Hochseecontainer? Schon bald könnte es sich lohnen, im Urlaub den Container vorzuziehen. Denn mehr braucht Tim Göbel nicht für sein "Trekkers Huus".

Tim Göbel ist Gründer und Erfinder des Trekkers Huus: Eine komfortable Reiseunterkunft mit begehbarem Badezimmer aus Naturstein, gemütlichem Doppelbett, holzvertäfeltem Aufenthaltszimmer, eigener Dachterrasse und eingebautem Umwelt-Gewissen.

Für dieses zwölf Quadratmeter große Hotelzimmer braucht der 30-Jährige nichts weiter als einen Seecontainer. Nach jahrelanger Tüftel-Arbeit steht nun der Prototyp des Trekkers Huus auf dem „Platz-Projekt“ in Hannover und wird dieser Tage bezugsfertig.

Die Innenausstattung hat Göbel selbst entworfen und eingebaut. Sie besteht zu 100 Prozent aus Materialen, die Umwelt und Klima schonen. Das Trekkers Huus kann sich selbst versorgen; Strom wird über die haus – bzw. containereigene Solaranlage bezogen, Wasser über eine Regenwasserspeicheranlage gewonnen.

Innovative Idee, der Umwelt zuliebe

Die Gefährdung der Umwelt nimmt stetig zu und auch natürliche Ressourcen werden immer knapper. Es bedarf mehr denn je kreativer Ideen, die dann auch in die Tat umgesetzt werden.

Tim Göbel hat eine solche Idee und sie auch verwirklicht. Mit seinem Konzept des ökologisch nachaltigen Hotelzimmers möchte er Menschen anregen, einen gewissen Luxus- und Komfortverlust im Urlaub freiwillig hinzunehmen. Dafür können seine Gäste die freien Tage im Einklang mit der Natur verbringen.

Für einen Aufenthalt im Trekkers Huus zahlt der Gast nur so viel, wie ihm der Besuch wert ist. Festpreise gibt es nicht.

Auszeichnung als Kultur-und Kreativpilot

Göbels Engagement hat auch bereits Anerkennung des Bundeswirtschaftsministeriums gefunden: Ende 2016 ist er als Kultur- und Kreativpilot ausgezeichnet worden. Über die Hintergründe und Bedeutung seiner Idee haben wir mit Tim Göbel gesprochen.


Tim Göbel gehört zu den Kultur- und Kreativpiloten des Bundeswirtschaftsministeriums. Ab dem 15. Mai 2017 kann man sich bis zum 30.6.2017 für die nächste Runde bewerben.


Der Schlafbereich im Trekkers Huus. Foto: Tim Göbel

Der Schlafbereich im Trekkers Huus. Foto: Tim Göbel

Der Beitrag über das „Trekkers Huus“ zum Mitlesen

Läuft man in Hannover im Stadtteil Linden zum „Platzprojekt“, dann ist das nicht eben das, was man „schick“ nennen würde. Ein Gewerbegebiet. Gebrauchtwagenhändler. LKW-Stellplätze. Und mittendrin das „Platzprojekt“ – ein von der Bundesregierung gefördertes Modell- und Forschungsvorhaben zur experimentellen Stadtentwicklung. Hier stehen Container herum. Doch nicht nur das: Hier werden kreative, selbstorganisierte Lösungen gesucht – Lösungen für die Frage: „Was ist Stadt eigentlich?“ Und mittendrin: der Mann hier.

Ich bin 30 Jahre alt. Ich komme gebürtig aus dem Harz. Ich wohne jetzt seit ca. sieben Jahren in Hannover und bin hier im Umweltministerium tätig als Hausmeister. Ich hatte eigentlich schon immer ein Faible fürs Reisen und draußen sein. Ich war schon immer ein Camping-Urlauber und hab mir schon damals in meiner Harzer Zeit mit meinen Jungs zusammen gedacht: Wie cool es wäre wenn es hier mitten im Harz kleine Wanderhütten geben würde, wo man übernachten kann, wenn man mal eine Nacht draußen sein will oder noch eine Tour vor sich hat. Es wäre einfach schön nicht auf die typische Hotellerie angewiesen zu sein. Und hab mir dann Gedanken gemacht. Wie kann man diese Kindheitsidee einer Wanderhütte vielleicht auf einen Container übertragen?

Das war im Frühjahr 2016. Seitdem denkt, plant und baut Tim Göbel daran herum: an seiner Kindheitsidee einer Wanderhütte. Schlafen im Container? Das klingt jetzt vielleicht etwas eigenartig. Das „Trekkers Huus“ ist aber weit mehr als nur vier Wände aus Metall.

Wenn man die Veranda mit dazu zählt, kommt man auf ungefähr 25-30qm insgesamt. Wobei die Hauptcontainerfläche etwa 12qm umfasst. Für einen Kurzaufenthalt reicht das völlig aus. Geht ja nicht darum, dass die Leute ihren Familienurlaub hier verbringen. Es geht darum, Leuten, die unterwegs sind, ob sie jetzt Naturliebhaber sind oder sich in der Stadt bewegen und da einen Wochenendtrip planen, eine klimafreundliche, kostengünstige und auch einfach coole und andere Übernachtungsmöglichkeit zu bieten.

Und in diesen rund 25qm, da verbirgt sich alles, was man für dieses Ziel braucht:

Hier sind wir jetzt auf der schönen Veranda. Es ist alles ein bisschen rustikal gehalten. Das Holz ist vom lokalen Sägewerk um die Ecke. Das war mir wichtig. Ich habe mir vorgenommen, alles so ökologisch und nachhaltig wie möglich zu gestalten. Das hier ist das Herzstück. Der Schlaf- und Wohnbereich des Containers. Der hat eine Gesamtlänge von ungefähr 5 ½ Metern. Es gibt auch noch einen kleineren Raum, der den Bereich unterteilt. Da gibt es einen Schlafplatz für zwei Leute und mehrere Möglichkeiten Gepäck zu verstauen. Auch im großen Raum kann man schlafen und hat dazu noch ein großes Terassenfenster. Und wenn man hier die Tür zu macht, ist es ziemlich ruhig, dann herrscht eine fast gespenstische Stille.

Klar: Das „Trekkers Huus“ soll kein Hotel ersetzen. Sondern eine komfortable Reiseunterkunft sein. Der Strom kommt von Solarpanelen. Wasser wird aus Regenwasser aufbereitet. Und auch um die Heizung hat sich Tim Göbel gekümmert:

Ich habe hier ein Infrarot-Panel, das ist eine 300 Watt Heizung. Ich habe das den Winter über getestet. Ich bin aber ehrlich gesagt noch nicht fertig mit der Auswertung. Ich habe halt wirklich jeden Tag die Außentemperatur, die voreingestellte Innentemperatur und wie viel Strom dann verbraucht wurde aufgeschrieben. Ich habe die Infrarot-Heizung dieses Jahr noch über das normale Stromnetz laufen lassen, weil bei der Solarbatterie eben die Gefahr besteht, dass sie zu stark entladen wird und dann kaputt geht. Und das wär natürlich blöd für den Anfang. Diese Daten werden also momentan noch ausgewertet. Aber dadurch, dass ich 600 Watt Solarpanele habe und die Heizung maximal 300 Watt in Anspruch nimmt, aber eigentlich auch nie auf voller Leistung war, gehe ich davon aus, dass es auch mit Solarenergie möglich ist, den Raum im Winter zu heizen.

Man merkt es schon: Einfach macht Tim Göbel sich die Sache nicht und geht vielmehr ziemlich akribisch an die Sache heran.

Weil ich schon vorhabe, aus meinem Konzept und aus meinem Prototypen ein Unternehmen zu gründen. Und ich finde: Dazu gehört natürlich viel Witz und Ideenreichtum und auch mal der typische DIY-Gedanke. Also, ich brauche nicht alles aus Edelstahl und es muss auch nicht alles vom Besten sein. Aber es muss funktionieren. Und wenn ich Wasser anbiete, mit dem sich die Leute waschen oder die Zähne putzen sollen, dann sollte das nicht stinken. Also, die Leute sollen sich hier schon wohlfühlen. Es soll ein bisschen eigen sein. Aber es soll auch so sein, dass die Leute wissen: Okay, ich kann mich hier wohlfühlen und ich hab einen gewissen Standard.

Und dazu gehört für Tim Göbel nicht nur, dass das alles funktioniert. Sondern auch, dass das „Trekkers Huus“ schön aussieht. Darum ist das Bad auch begehbar, ebenerdig und mit Naturstein ausgelegt. Darum verbaut er hochwertige Materialien. Darum hat er rund 10.000 Euro in seine Idee investiert – und unzählige Arbeitsstunden. Und darum antwortet er auf die Frage, ob er die Zahl dieser Stunden kennt, auch ganz entschieden:

Nein (lacht). Was bringt einem das? – Ja, Stolz vielleicht? – Den hab ich auch so. Das brauch ich nicht schriftlich. Das hab ich so, wenn ich mir das Haus angucke, wenn ich es Leuten präsentiere, wenn ich Feedback bekomme. Auch negatives Feedback ist gerne gewünscht. Damit ich weiß: Was kann ich noch verbessern, was vermissen die Leute? Das gibt mir alleine schon den Stolz und die Bestätigung, dass das, was ich hier mache, auch seinen Zweck hat. Nicht nur für mich, sondern auch für andere Leute.

Das Trekkers Huus auf dem Platzprojekt in Hannover - mehr Platz braucht's nicht.

Das Trekkers Huus auf dem Platzprojekt in Hannover – mehr Platz braucht’s nicht

Der Prototyp des „Trekkers Huus“ ist im Prinzip fertig. Und spätestens damit auch die Vision von Tim Göbel: Ein Netz von nachhaltigen, mobilen und unkomplizierten Reiseunterkünften in ganz Deutschland. An Radwegen. Wanderwegen. Seen. Überall dort, wo man halt sein will.

Halt einfach ein schönes Netzwerk. Dadurch, dass es in einem Container gebaut ist, hast du überall die Möglichkeit, diese Art von Gebäude wirklich überall aufzubauen. Du brauchst nur einen Autokran, der ihn hinstellt. Genau so einfach ist es aber auch, ihn wieder abzubauen. Das heißt: Wenn man irgendwie feststellt, dass es schädliche Umwelteinflüsse etc. gibt, oder dass einfach niemand drin schlafen will, weil die Lage doch nicht so ist, wie man sich das vorher ausgerechnet hat, hat man die Möglichkeit, den Container einfach wieder weg zu stellen. Und ich möchte halt das erste klimaneutrale Hotel der Region Hannover bauen, in dieser Form. Bestehend dann aber aus mehreren Containern, also wie gesagt: Das hier ist nur der Prototyp von dem, was ich eigentlich vorhabe. Und das dann wirtschaftlich zu betreiben. Man hat da sehr, sehr viele Möglichkeiten.