Milliarden-Strafe für Google

EU sendet Warnzeichen an Silicon Valley

19.07.2018

Mit dem Urteil im Android-Streit zeigt die EU Selbstvertrauen. Google soll 4,3 Milliarden Euro zahlen – wegen Missbrauchs seiner Marktmacht.

Es ist nicht nur eine Rekordsumme, sondern auch ein Urteil mit Signalwirkung. 4,3 Milliarden Euro lautet der Betrag, den Google an die EU zahlen soll. Der Großkonzern habe seine Marktmacht missbraucht. Google habe anderen Smartphone-Herstellern, die das Betriebssystem Android nutzen, Google-Dienste unter wettbewerbswidrigen Bedingungen zur Verfügung gestellt.

Mit einem Marktanteil von 90 Prozent auf Smartphones habe etwa der Play-Store eine eindeutig marktdominante Stellung, erklärt Professor Achim Wambach. Er ist Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.

Google bietet das kostenlose Betriebssystem Android an und jeder kann es benutzen. Will man es allerdings gleichzeitig mit dem Google-Play-Store, Youtube oder anderen Google-Apps nutzen, muss man das ganze Paket nehmen. Es ist sozusagen eine ‚Alles oder Nichts‘-Strategie. – Achim Wambach, Monopolkommissionschef und Präsident des ZEW

Google will sich wehren

Eine reine Geldstrafe trifft Google nur bedingt, auch wenn es sich um die höchste Kartellstrafe handelt, die je von der EU-Kommission über ein einzelnes Unternehmen verhängt wurde. Vielmehr sind es die Aussichten auf eine Umstrukturierung des bislang auf Werbeplatzierungen aufbauenden Geschäftsmodells, die dem Konzern zu schaffen machen. Kein Wunder also, das Funktionäre bereits angekündigt haben, das Urteil anzufechten.

Eine neue Entwicklung im Handelsstreit?

Die transatlantische Kooperation zwischen Europa und den USA wackelt unter der Trump-Regierung. Dass die EU nun aber eines der größten Zugpferde der US-Wirtschaft angreift, könnte den Handelsstreit weiter anfachen. Zudem ist es möglich, dass die EU-Kommission in Zukunft auch andere große Silicion-Valley-Player ins Visier nehmen wird, etwa Facebook und Amazon.

Das Signal ist: Marktmacht zu haben, ist okay. Sie auszunutzen, das ist illegal und dagegen darf die Kommission vorgehen. – Achim Wambach

Was steckt hinter dem Urteil der EU-Kommissio? Darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Achim Wambach gesprochen. Er ist Präsident des ZEW und Monopolkommissionschef.

Google-Urteil_Achim Wambach_awh1Man wird sehen, wie es in diesem Verfahren weitergeht. Aber das Verhalten muss definitiv abgestellt werden.Professor Achim Wambachist Monopolkommissionschef und ZEW-Präsident. 

Redaktion: Lisa Kiehm