Mittelstand | Bedenken bei Investitionen aus China

Kauft China den Mittelstand?

05.09.2019

Nicht erst seitdem der chinesische Konzern Huawei möglicherweise die deutsche 5G-Infrastruktur bauen soll, herrscht Skepsis gegenüber Investitionen aus China. Auch mittelständische Unternehmen geraten in den Fokus chinesischer Investoren. Risiko oder Chance für den deutschen Mittelstand?

Aus der Vergangenheit gelernt?

So etwas wie mit dem Robotik-Hersteller Kuka sollte nicht nochmal passieren. Das Augsburger Unternehmen wurde 2016 von dem chinesischen Investor Midea gekauft. Ausgerechnet die Zukunftsbranche Robotik.

Deutschland hat die Außenwirtschaftsverordnung jedes Jahr verschärft. Drei Verschärfungen zwecks China gab es seit Kuka. – Christian Rusche, Ökonom beim Institut der deutschen Wirtschaft

Industriestrategie gegen China

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat daher vorgeschlagen, eine deutsche Industriestrategie zu verfolgen. Der Plan sieht vor, deutsche und europäische Champions zu fördern, damit sie eher im Wettbewerb gegen China bestehen.

Doch gerade der Mittelstand hat Altmaiers Vorschlag kritisiert. Denn der Wirtschaftsminister möchte vor allem Großunternehmen fördern. Als Vorbild hat er etwa den Flugzeughersteller Airbus genannt. Deshalb wäre der Vorschlag insbesondere für Deutschlands mittelständisch geprägte Wirtschaft nicht zielführend.

Natürlich fühlte sich der Mittelstand bei der Industriestrategie des Wirtschaftsministers vernachlässigt, weil der Mittelstand eben nur ein Juniorpartner in solchen großen Unternehmen wäre. – Christian Rusche

Denn es ist der Mittelstand, der über ein Drittel der gesamten Unternehmensumsätze in Deutschland erwirtschaftet. Besonders wichtig sind dabei die sogenannten „Hidden Champions“, die oft in hochspezialisierten Nischen Weltmarktführer sind.

Verlust von Know-How?

Gerade bei chinesischen Investoren gibt es die Angst, dass wichtiges Know-How verloren geht und die Produktion nach China verschoben wird. Denn Beteiligungen an und Übernahmen von ausländischen Unternehmen sind expliziter Teil der chinesischen Industriestrategie „Made in China 2025“. Die chinesiche Regierung möchte in den nächsten sechs Jahren weltmarktführend in zehn Schlüsseltechnologien werden, um diese nicht mehr importieren zu müssen.

Das Thema chinesische Beteiligungen und Übernahmen könnte sich allerdings mittelfristig auch von selbst erledigt haben. Denn im ersten Halbjahr 2019 gingen chinesischen Investitionen in Europa um 84 Prozent im Vergleich zur vorigen Jahreshälfte zurück.

Wie sich chinesische Investitionen in Deutschland entwickelt haben und welche Industriestrategie Deutschland bräuchte, hat detektor.fm-Redakteur Rewert Hoffer den Ökonomen Christian Rusche gefragt.

Rusche porträtUm 2010 gab es einen merklichen Anstieg an chinesischen Investitionen in Deutschland, das stieg dann 2016 mit der Kuka-Übernahme nochmal an und seitdem geht es stückweise wieder bergab.Dr. Christian Ruscheist Ökonom beim Institut der deutschen Wirtschaft. 

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