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Sollte es zu mehr Zöllen und Handelskriegen kommen, sieht es schlecht aus für die deutsche Wirtschaft. Foto: Sasin Tipchai | shutterstock
Bild: Sasin Tipchai | Shutterstock

Mittelstand | Zölle auf EU-Produkte

Exportweltmeister im Handelskrieg

Kaum ein Land ist so sehr vom Welthandel abhängig wie Deutschland. Handelskriege und Zölle sind für die deutsche Wirtschaft deshalb besonders gefährlich. Die USA haben nun auf ausgewählte Produkte Ausgleichszölle erlassen.

Neue Zölle aus den USA

US-Präsident Donald Trump ist kein Verfechter des Freihandels. Seit Juli 2018 läuft der Handelskrieg mit China und immer wieder hat Trump angekündigt, auch Autos aus der EU mit Zöllen zu belegen. Die kommen jetzt aber für das nächste halbe Jahr erstmal nicht.

Doch seit dem 18. Oktober gelten andere Zölle auf EU-Produkte, die in die USA verkauft werden. Sie gehen diesmal nicht auf die Initiative Trumps zurück, sondern sind sogar von höchster Stelle genehmigt, nämlich von der Welthandelsorganisation WTO. Weil die EU den Flugzeugbauer Airbus stark subventioniert hat und damit gegen WTO-Richtlinien verstößt, dürfen die USA jetzt Ausgleichszölle auf Produkte aus der EU verlangen.

Gabriel Felbermayr - Präsident des Institut für Weltwirtschaft in Kiel

Präsident des Institut für Weltwirtschaft in Kiel
Ich glaube, wir müssen uns darauf einstellen, dass die nächsten Jahrzehnte solche sein werden, in der die Globalisierung, so wie wir sie kannten von 1990 bis 2008, eine historische Ungewöhnlichkeit war.Gabriel Felbermayr

Mittelstand in Bedrängnis

Auf der Liste der Waren, die von den Zöllen betroffen sind, stehen Flugzeuge natürlich ganz oben. Aber auch andere Produkte, die nichts mit der Flugzeugindustrie zu tun haben, sind von den Zöllen in Höhe von 25 Prozent betroffen. Unter anderem Käse aus Frankreich, Whiskey aus Irland und Werkzeuge aus Deutschland müssen höher verzollt werden.

Für den Mittelstand ist das teilweise ein echtes Problem. Denn deutsche Unternehmen sind stark exportorientiert und die USA sind immer noch der größte Markt für deutsche Waren. Manche Unternehmen haben bereits angekündigt, dass sie angesichts der Zölle unsicher sind, ob sie weiterhin vollständig in Deutschland produzieren können. So etwa der Wuppertaler Zangenhersteller Knipex, dessen Exporte in die USA von einem Tag auf den anderen um ein Viertel teurer geworden sind.

Ralf Putsch - Geschäftsführer des Zangenherstellers Knipex

Geschäftsführer des Zangenherstellers Knipex
Sollten die Strafzölle noch länger andauern, werden wir diese 25 Prozent nicht einfach absorbieren können. Dann müssen wir überlegen, ob man mit einem Teil der Kapazität auch in andere Länder geht.Ralf Putsch

Was die aktuellen Zölle für Unternehmer bedeuten und wie sich der zunehmende Protektionismus auf das deutsche Wirtschaftsmodell auswirkt, hat detektor.fm-Redakteuer Rewert Hoffer den Geschäftsführer von Knipex Ralf Putsch und den Präsidenten des Institut für Weltwirtschaft in Kiel Gabriel Felbermayr gefragt.


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