Modernes Geldverdienen nach altem Recht – Islamic Banking

28.12.2009

Eine Bank ohne Zinsen ist wie ein Bäcker ohne Brötchen. Oder ein Schuster ohne Leisten. Zinsen stellen seit jeher die Möglichkeit dar, mit Geld Geld zu verdienen - oder zu verlieren. Islamic Banking könnte eine Alternative sein.

Wer mit dem Girokonto in den Dispo rutscht oder die Kreditkarte benutzt, denkt schon lange nicht mehr darüber nach: die Zinsen. Sie werden immer dann fällig, wenn man sich von einer Bank Geld leiht. Für die meisten ist das Normalität, sind es doch die Zinsen, mit denen Banken ihr Geld verdienen. Doch das sieht nicht jeder so. Seit ein paar Jahren wird auch in Europa ein Geschäftsmodell für Banken diskutiert, indem Zinsen keine Rolle mehr spielen: „islamic banking“, das Banking nach islamischem Recht.

„Allah hat das Handeln erlaubt und das Zinsnehmen verboten.“

So steht es im Koran und nach diesem Prinzip handeln nicht mehr nur gläubige Privatpersonen, sondern mittlerweile auch Banker. Beim so genannten Islamic Banking handelt es sich um Finanzgeschäfte im Sinne des Islams und der Schari’a. Das bedeutet unter anderem, dass Zinsen verboten sind. Wie Banken ohne Zinsen trotzdem Geld verdienen können, erklärt Zaid El-Mogaddedi, Direktor des Frankfurter Instituts für Islamic Banking: „Sie verdient es, indem sie sich als Mitbeteiligter in Projekte engagiert. Wir beteiligen uns, nach entsprechender Prüfung, an dem Projekt. Wenn Gewinne erwirtschaftet werden, werden sie geteilt. Wenn Verluste erwirtschaftet werden, werden sie aber auch geteilt.“ Anders als im klassischen Banking sind solche Banken abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung des Darlehensnehmers. Sie leben also nicht von der Rückzahlung der ausgegebenen Darlehensmittel plus den Zinsen, sondern machen Gewinn durch Beteiligungsgeschäfte. Allerdings werden Beteiligungen an bestimmten Projekten von vornherein ausgeschlossen: Unternehmen, die Ihr Geld mit Rüstungsgütern, Alkohol, Tabak oder gar Pornografie verdienen, sind tabu für Anleger und Banken. Auch stark spekulative Geschäfte sind verboten. Ein Gläubiger ließt in der Sehitlik-Moschee im Koran. Die Schariah, das religiöse Gesetz des Islam, verbietet unter anderem Zinswucher und den Handel mit Schulden.

So entsteht zwar zunächst ein sicheres Bild des Geldanlegens. Dennoch verkompliziert ein hoher Grad an Bürokratie häufig die einfachen Geschäfte. Hans-Georg Ebert, Professor für Islamisches Recht an der Universität Leipzig erklärt diesen Zusammenhang: „Das heißt wenn man also Zins umgeht, dann setzt das doppelte Verträge voraus und das führt dazu, dass der Aufwand für ein solches Produkt etwas höher ist, sodass natürlich die Gewinnerwartungen etwas niedriger sein wird. Da muss der Kunde abwegen, was will er mehr, will er mehr Rendite oder will er mehr Sicherheit.“ Trotz der bürokratischen Anforderungen soll das Konzept in den nächsten Jahren europaweit ausgebaut werden. Bislang bieten zwar nur Banken in Großbritannien islam-konforme Finanzprodukte an. Doch ab 2010 soll auch in Deutschland das islamische Geldanlegen möglich werden. Dass aber bis jetzt kaum eine Bank das Islamic Banking in ihr Portfolio aufgenommen hat, begründet Zaid el-Modaddedi mit einer Art Islamophobie in Deutschland: „Sie befürchten, dass wenn sie islamische Bankprodukte aktiv vermarkten, dass dann die Gefahr bestünde, befürchten einige Banken, namentlich vor allem die blaue Bank dann, dass der Abgang von deutschen Kunden größer ist, als der Zugewinn von islamischen Kunden.“ Bis jetzt zeigen sich die Banken noch sehr zurückhaltend und wollen zum Ausbau des Islamic Banking keine Stellung nehmen.

Anders ist das bei den eigentlichen Kunden. Amal el Abd ist Studentin und Vorsitzende des Vereins der Araber in Leipzig. Sie zeigt großes Interesse am koran-konformen Geldanlegen. „Also mein Geld ist zur Zeit in der Sparkasse Leipzig und es ist jetzt nicht Islamic Banking angelegt, weil es in der Sparkasse natürlich nicht diese Möglichkeit gibt. Aber für mich ist es natürlich auch wichtig so etwas zu haben. Weil es ja in unserem Koran steht, in dem heiligen Buch der Muslime, dass Wucher verboten ist.“ Für die Zukunft wünscht sich Amal, ihr Geld nach den Regeln des Korans anlegen zu können. Bis es soweit ist, spendet sie die Zinsen aus ihren Finanzanlagen für einen guten Zweck. Trotz des Interesses am zinslosen Banking von seiten der Muslime zeichnet Professor Ebert für die Zukunft des Isalmic Bankings in Deutschland eher ein pessimistisches Bild: „Islamic Banking wird auf lange Sicht ein Nischenprodukt bleiben. Es wird den traditionellen Bankensektor keineswegs verdrängen, aber es ist eine gewisse Ergänzung. Insgesamt gesehen wird es die Bankensituation nicht grundsätzlich verändern“.

Ein Beitrag von Neele Franke und Claudia Kosser