Möglichkeiten moderner Arbeitszeiten

Abschied vom Acht-Stunden-Tag?

28.11.2017

Muss ein Arbeitstag acht Stunden dauern? Muss er im Büro stattfinden? Solche Fragen stellen sich nicht nur skandinavische Länder. Auch in Deutschland geht der Trend hin zu flexibleren Arbeitszeiten. Doch Kritiker warnen vor Überarbeitung.

Arbeit ohne Grenzen

Die Microsoft-Zentrale in München hat nur Platz für 1.100 Personen. Damit hat fast jeder zweite Mitarbeiter keinen Arbeitsplatz. Das soll auch so sein. Denn in dem US-Unternehmen kann jeder zur Arbeit erscheinen, wann er oder sie will – oder eben überhaupt nicht: Bereits seit mehreren Jahren gelten bei Microsoft flexible Arbeitszeiten, und auch ortsunabhängiges Arbeiten ist möglich. Damit richtet sich das Unternehmen nach den Bedürfnissen seiner Mitarbeiter.

Claudia WentschEs motiviert die Menschen viel mehr, wenn sie autonom entscheiden können, was für sie, für ihren Tagesablauf, vielleicht auch in der familiären Situation, in der sie sind, eine sinnvolle Gestaltungsmöglichkeit ist. Claudia Wentschist Director Human Resources in der Microsoft-Zentrale in München-Schwabing. 

Mehr Leistung durch mehr Freiheit

Der Trend geht hin zu mehr Freiheit im Job: Bereits 2010 arbeitete rund ein Drittel aller Beschäftigten flexibel. Vorteile hat das nicht nur für Arbeitnehmer. Denn wer ausgeruht zur Arbeit kommt, kann sich währenddessen stärker fokussieren und ist produktiver. Bei Modellen wie der Vertrauensarbeitszeit stehen deshalb nicht die Dauer des Arbeitens, sondern die Erledigung vereinbarter Aufgaben im Vordergrund.

Ist das Gesetz noch zeitgemäß?

Doch auch Unternehmen wie Microsoft müssen sich an die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes halten. Dieses schreibt pro Tag eine Arbeitszeit von maximal acht Stunden vor. Nach der Arbeit gilt außerdem eine Ruhezeit von elf Stunden. Da das die Flexibilität einschränkt, hat Christoph Schmidt von den Wirtschaftsweisen eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes gefordert. Gewerkschaften wehren sich gegen diese Pläne: Sie fürchten um die Gesundheit der Arbeitnehmer.

Helga NielebockWenn sehr viel Termindruck und Hetze oder versetzte Zeiten sind, dann führt das zu größeren Belastungen für die Beschäftigten.Helga Nielebockist Abteilungsleiterin Recht beim DGB-Bundesvorstand. 

Doch besonders für junge Menschen sind flexible Arbeitszeiten attraktiv. Laut einer Umfrage halten mehr als die Hälfte aller Studierenden den Acht-Stunden-Tag nicht mehr für zeitgemäß. Die Bundesagentur für Arbeit hält es trotzdem nicht für notwendig, das Gesetz zu ändern.

Ines ZapfAus meiner Sicht ermöglicht das Arbeitszeitgesetz eben jetzt schon flexible Arbeitszeitregelungen und gibt aber einen gesetzlichen Rahmen vor.Ines Zapfvom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. 

Verabschieden wir uns bald vom Acht-Stunden-Tag? detektor.fm-Redakteurin Laura Almanza hat sich dieser Frage gewidmet: