Negative Lohnentwicklung steigert die Streikbereitschaft

01.03.2013

2012 gab es viel häufiger Streiks und eine deutlich größere Beteiligung an Arbeitskämpfen als im Jahr zuvor. Woran das liegt haben wir mit dem Gewerkschaftsforscher Klaus Dörre besprochen.

War 2012 einer der am häufigsten bestreikten Bereiche: der öffentliche Dienst. / Foto: © Philipp Guelland / dapd.

Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Arbeitskämpfe in Deutschland deutlich zugenommen. Das geht aus einer Bilanz der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Doppelt so viele Streiktage

Die meisten Streiks gab es in der Dienstleistungsbranche, im öffentlichen Dienst und in der Metall- und Elektorindustrie. 2012 fielen so insgesamt 630.000 Arbeitstage wegen Streik aus – das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

ist Gewerkschaftsforscher an der Universität Jena.Klaus Dörreist Gewerkschaftsforscher an der Universität Jena. 

Und mehr noch: es sind auch deutlich mehr Menschen beteiligt: 2012 nahmen 1.200.000 Personen an Streiks teil – und damit sechs Mal so viele, wie 2011.

Streikarm im internationalen Vergleich

Im Vergleich zu anderen Ländern wird in Deutschland allerdings eher wenig gestreikt. Pro 1.000 Beschäftigten sind im vergangenen Jahr 17 Arbeitstage ausgefallen, in Frankreich waren es zum Beispiel 162. In Kanada und Dänemark mit wurde mit 154 Tagen und 123 Tagen ebenfalls vergleichsweise viel gestreikt.

Warum die Arbeitskämpfe in Deutschland zugenommen haben und welche Rolle die Gewerkschaften heute spielen, darüber haben wir mit Klaus Dörre gesprochen. Er ist Soziologe an der Universität Jena und forscht zu Gewerkschaften.

Da kommen neue Gruppen in Bewegung, die tatsächlich seit vielen Jahren an einer gesellschaftlichen Nichtanerkennung ihrer Tätigkeit leiden. (…) Und da beobachten wir tatsächlich etwas Neues, nämlich (…) dass kollektive Handlungsbereitschaft und auch Streikbereitschaft entsteht. – Klaus Dörre