Negativzins | Bundesanleihen erstmals unter null Prozent

Wer dem Staat Geld leiht, muss extra zahlen.

15.06.2016

Der Strudel des Negativzins reißt nicht ab. Jetzt hat es auch die Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erwischt: Die Rendite ist unter null Prozent gefallen. Ein Novum auf dem deutschen Finanzmarkt und ein historisches Ereignis für die Börse.

Um welche Finanzen geht es konkret?

Sie sind bei Banken, Versicherungen und Pensionskassen beliebt: Bundesanleihen. Das sind vom Staat herausgegebene Wertpapiere, die als besonders sicher gelten und aufgrund der Kreditwürdigkeit Deutschlands ein fast risikoloses Investment darstellen.

Doch wer in Zukunft zehnjährige Anleihen erwerben möchte, muss draufzahlen. Die Verzinsung der sogenannten „Bunds“ ist erstmalig unter null Prozent gefallen.

Die 10-Jahres-Staatsanleihe in Deutschland hat eine Signalfunktion. […] Wenn sie dann das erste Mal  seitdem es überhaupt Staatspapiere in Deutschland gibt negativ verzinst wird, ist das ein ganz massiver Schock. – Robert Halver, Kapitalmarktexperte

Dabei ist die Regierung auf die Anleihen angewiesen, denn knapp die Hälfte der deutschen Staatsschulden ist dadurch gedeckt.

Das Problem ist bekannt!

Das Phänomen des Negativzins ist jedoch nicht neu. Anleihen mit kürzeren Laufzeiten sind schon seit 2014 betroffen. Dass dies jetzt auch den zehnjährigen Papieren widerfährt, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen treibt die Angst vor dem Brexit und einer damit einhergehenden Destabilisierung des europäischen Finanzmarktes die Investoren in die sicheren Anlagen. Zum anderen kauft die europäische Zentralbank deutsche Bundesanleihen im großen Stil. Niedrige Zinsen sollen die Kreditvergabe steigern, um letztendlich die Wirtschaft in Schwung zu bringen.

Beide Faktoren erhöhen die Nachfrage an Bunds und folglich steigen deren Kurse. Im Gegenzug fallen die Renditen. Fleißig investiert wird trotzdem weiter. Derzeit sind zehnjährige Bundesanleihen im Wert von 500 Milliarden Euro im Umlauf.

Welche Auswirkungen hat der Negativzins?

Betroffen sind vor allem Banken und Versicherungen, da sie teils gesetzlich verpflichtet sind, in Bundesanleihen zu investieren und diese auch auf die komplette Laufzeit zu behalten. Deshalb verringert die niedrige Rendite die Einnahmen der Banken und könnte zu weiteren Geldproblemen führen. Versicherungen hingegen bekommen Probleme, ihre Auszahlungsverpflichtungen zu decken.

Im Gegenzug kann der deutsche Staat von den niedrigen Zinsen profitieren. Die derzeitige Möglichkeit für günstige Kredite sollte genutzt werden, um die Wirtschaft anzukurbeln, findet der Kapitalmarktexperte Robert Halver:

Es ist wichtig, dass man diese Himmelsgeschenke von niedrigen Zinsen dazu nutzt, die Infrastruktur in Deutschland auf Vordermann zu bringen. – Robert Halver, Baader Bank

Dass die Zinsen zeitnah wieder steigen, ist eher unwahrscheinlich. Demzufolge wird es für Sparer nicht mehr möglich sein, durch Zins und Zinseszins vorzusorgen. Eine stabile Wirtschaft mit gesicherten Einkommen und Kaufkraft ist daher Pflicht, sonst läuft man ähnlich wie Japan der Deflation in die Arme.

Was der Negativzins auf Bundesanleihen für Deutschland bedeutet, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit dem Kapitalmarktexperten der Baader Bank Robert Halver gesprochen.

ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader BankIch würde bezweifeln, dass wir jemals wieder vernünftig hohe Zinsen sehen. Die können wir uns gar nicht mehr leisten!Robert HalverKapitalmarktexperte der Baader Bank.