Umstrittene Ölbohrungen in Italien

Erdöl, extra vergine

30.03.2016

In Italien protestieren mehrere Bürgerinitiativen gegen Ölbohrungen. Bisher wird vor der Mittelmeerküste gefördert, nun sollen auch Bohrtürme an Land entstehen. Mehrere Regionen lassen die Bewohner mit einem Referendum darüber abstimmen. Können die Ölbohrungen auf dem italienischen Festland verhindert werden?

Bisher fördert Italien Erdöl nur im Mittelmeer, gut 20 Kilometer vor der Küste. Doch nun laufen die Lizenzen für diese Bohrtürme aus. Die italienische Regierung will sie noch nutzen, bis die Quellen erschöpft sind. Dann sollen die Ölbohrungen auch auf das italienische Festland kommen. Das sorgt allerdings für heftige Proteste in neun der 20 potenziellen Förderregionen des Landes. Viele Bürger sorgen sich um Umweltschäden.

Ölbohrungen auf dem Festland

Italiens Wirtschaft ist aber auf die Einnahmen aus den Ölbohrungen angewiesen. Seit der Wirtschaftskrise 2008 hat sich die Arbeitslosigkeit im Land nahezu verdoppelt. Ein Argument für die Bohrtürme ist dementsprechend, dass die Regierung neue Arbeitsplätze schafft. Nur: für wie lange? Denn die Ölvorkommen sind im Gegensatz zu erneuerbaren Energien zeitlich begrenzt.

Es kann nur um eine begrenzte Zeit gehen. Wenn wenigstens für diese begrenzte Zeit Arbeitsplätze geschaffen werden könnten und damit die Arbeitslosigkeit und auch der Schuldenstand Italiens reduziert werden könnte. – Manuel Frondel, Professor für Energieökonomik

Noch ist nichts beschlossen, denn die protestierenden Bürgerinitiativen haben ein Referendum zu den Landbohrungen vorgelegt. Mitte April sollen die Italiener in den Regionen dann abstimmen. Dort müssen sich mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten beteiligen, damit die Abstimmung gültig ist. Dann könnte eine Mehrheit die Fördertürme an Land noch verhindern.

Sind erneuerbare Energien eine Alternative?

Statt der zusätzlichen Ölbohrungen wären erneuerbare Energien eine Alternative, um die italienische Wirtschaftslage zu stabilisieren. Italien ist stark auf Öl-Importe angewiesen. Das Land ist der siebtgrößte Erdöl-Importeur auf der Welt, direkt hinter Deutschland. Die italienische Regierung will sich deswegen bis 2020 unabhängiger von den Importen machen und 20 Prozent seines Ölbedarfs selber fördern.

Italien könnte aber auch energiewirtschaftlich unabhängiger werden, wenn das Land mehr in Wasser- und Windkraft investieren würde. Doch seit der Wirtschaftskrise werden selbst die Subventionen für erneuerbare Energien gekürzt.

Also muss die Regierung versuchen das Eine zu tun, nämlich das Öl zu fördern, und das Andere nicht zu lassen, also den Ausbau der erneuerbaren Energien auch maßvoll voranzutreiben. – Manuel Frondel

Warum Italien auch auf dem Festland nach Öl bohren will, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer mit Manuel Frondel gesprochen. Er ist Professor für Energieökonomik und angewandte Ökonometrie der Ruhr-Universität Bochum und leitet den Bereich „Umwelt und Ressourcen“.

Manuel_Frondel_PortaitDie Förderung von Öl im eigenen Land hätte nicht nur den direkten Effekt, dass da Arbeitsplätze geschaffen werden, sondern es hat auch Multiplikator-Effekte. Manuel Frondelist Professor für Energieökonomik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum. 

Redaktion: Theresa Strohbach