piqd Hintergrund | Gehirn-Kommerz, Psychopharmaka-Missbrauch, Cyberstaat Chile

"Es geht um Daten!"

18.08.2018

Im neuen piqd-Hintergrund Podcast sprechen wir über die Kommerzialisierung des Gehirns, den geplanten Cyberstaat Chile und Pharmaexperimente in Kinderheimen.

Gehirn-Kommerz

Tech-Unternehmen investieren derzeit viel Geld in Forschungsprogramme, die eine Computer-Gehirn-Schnittstelle ermöglichen sollen. Facebook möchte es Nutzern beispielsweise ermöglichen, Kraft der Gedanken hundert Wörter pro Sekunde zu diktieren. Was einerseit toll klingt, birgt andererseit auch wieder einen tiefen Eingriff in die Privatsphäre. Christiane Miethge spricht darüber, ob mit dem Gehirn-Kommerz das Ende der Gedankenfreiheit eingeläutet werde. Für ihre Recherche hat sie mit Wissenschaftlern, Ärzten und Unternehmern gesprochen, die sich einig sind, dass die Schnittstelle für den Gehirn-Kommerz kommen wird.

Christiane MiethgeVielleicht geht es nicht ums Gedankenlesen im eigentlichen Sinne. Vielleicht geht’s nicht darum jedes Wort zu verstehen. Es geht um etwas ganz anderes. Es geht um Daten.Christiane MiethgeAutorin beim Bayrischen Rundfunk 

Heimkinder als Versuchsobjekte für Psychopharmaka

Pia Dangelmayer und Christiane Hawranek sind einem Skandal auf die Spur gekommen. In einigen bayerischen Kinderheimen wurden in den 1960er und 1970er Jahren Medikamentenversuche mit Kindern durchgeführt, vermutlich finanziert von Pharmaunternehmen.

Christiane HawranekDa ziehen sich jetzt viele darauf zurück und sagen: das war ja in einer ganz anderen Zeit. Und es waren ja nur Kinder.Christiane HawranekRedakteurin für den BR. Foto: BR Recherche. 

Ärzte und Heime verdienten, die Kinder hatten mit den Folgen zu kämpfen. Einer von ihnen, Martin, sitzt heute im Rollstuhl und ist schwer lungenkrank. Die Aufklärung läuft allerdings schleppend, ein großes Interesse von Seiten des Staates und der Träger besteht daran möglicherweise ohnehin nicht.

Pia DangelmayerPia Dangelmayerhat zusammen mit Christiane Hawranek am Thema gearbeitet. Foto: Lisa Hinder 

Cyberstaat und schillernde Persönlichkeiten in Chile

Anfang der 1970er Jahre entstand in Chile eine computergesteuerte Utopie. Ein vernetzter Supercomputer sollte Politik und Wirtschaft im Land koordinieren und optimieren. Diese spektakulär klingende Idee stammte vom britischen Unternehmensberater Stafford Beer. Er hat die “Management-Kybernetik” entwickelt und schwankte selbst zwischen Extravaganz und Einsiedlertum.

Anna-Verena NosthoffAnna-Verena Nosthoffist Philosophin, politische Theoretikerin und freie Autorin. 

Für den chilenischen Präsidenten Salvador Allende hat er das Projekt Cybersyn entwickelt, quasi eine Maschine für direkte Demokratie. Trotz einer bestandenen Bewährungsprobe kam das System nie richtig zum Einsatz – im September 1973 kam General Pinochet durch einen Putsch an die Macht. Der Opsroom wurde zerstört.

Felix MaschewskiStafford Beers Ziel war der Gesellschaft Chiles ein elektronisches Nervensystem zu implantieren. Das heißt man war auf der Suche nach einem staatstragenden, perfekten Algorithmus.Felix Maschewskiist Germanist, Wirtschaftswissenschaftler, freier Autor und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsgestaltung Berlin. 

Um diese drei Geschichten geht es in der mittlerweile 16. Ausgabe des piqd-Hintergrund. Durch den Podcast führt Florian Schairer, diesmal aus dem Urlaub auf Bali.

piqd Hintergrund | Kommerzialisierung des Gehirns, Psychopharmaka in Heimen und Cyberstaat Chile


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