Polizei: Unterbesetzung und Überstunden

Bringt mehr auch mehr?

06.02.2017

Die Polizei als Freund und Helfer, immer zur Stelle, wenn man Hilfe benötigt. So soll es im Idealfall ablaufen. Doch laut der Polizeigewerkschaft müssen die Polizisten dafür einen hohen Preis zahlen.

Ungelöste Fälle und fehlende Stellen

Die Polizeigewerkschaft schlägt Alarm: Zu wenige Polizisten müssen zu viele Überstunden machen, um mit der Arbeit hinterherzukommen. Mehrere tausend Fälle sind bereits liegengeblieben, weil niemand da ist, um sie zu bearbeiten. Alleine im Bundesland Sachsen soll es 70.000 offene Fälle ohne Bearbeiter geben.

Übertreiben gehört zu Gewerkschaften. Trotzdem kann man schon feststellen, dass an manchen Stellen Polizisten fehlen. – Dr. Rafael Behr, Polizeiwissenschaftler

Neue Leute einzustellen, ist aber nicht so einfach und auch nicht zwangsläufig die Lösung. Zwar können mehr Kollegen zunächst bei bestimmten Aufgaben helfen, aber mehr Polizisten lösen nicht automatisch mehr offene Fälle. Die Ausbildung von Polizisten dauert außerdem drei Jahre.

Selbst wenn jetzt sofort neue Polizisten eingestellt würden, bis sie richtig eingelernt sind, kann es Jahre dauern. Die Neuen können deswegen auch nicht überall sofort eingesetzt werden. Der Polizeiwissenschaftler Dr. Rafael Behr fordert deshalb, dass mehr erfahrene und ältere Polizisten wichtige Positionen besetzen sollten.

Jetzt einfach mehr Polizisten zu verlangen, ist das eine, aber die auch einzusetzen und sie sinnvoll zu verwenden, das andere. – Dr. Rafael Behr

9,5 Wochen Überstunden

Ein weiterer Sorgenpunkt der Gewerkschaften sind die Überstunden. Im vergangenen Jahr hat demnach jeder Polizist im Schnitt mehr als 380 Überstunden verrichtet. Bundesweit sammeln sich da 22 Millionen Überstunden an. Die Überstunden entsprechen knapp 9.000 freien Stellen, die es zu besetzen gilt.

Die Polizei sammelt

Das Überstunden aber nicht immer negativ sind, sieht man bei der Polizei jedoch auch. Sie ist nämlich eine der Organisationen, bei denen die einzelnen Polizisten Überstunden auf ihr Lebenszeitkonto verschieben können. Was es damit auf sich hat und wieso die Forderungen der Polizeigewerkschaft so schwierig umgesetzt werden können, hat Dr. Rafael Behr detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer erklärt. Behr ist Professor für Polizeiwissenschaften und lehrt Kriminologie und Soziologie an der Akademie der Polizei Hamburg.

Soziologe, Polizeiakademie HamburgIch will die Belastung der Polizei auf keinen Fall schmälern!Dr. Rafael Behrist Polizeiwissenschaftler und lehrt Kriminologie und Soziologie in Hamburg. 

Redaktion: Conny Poltersdorf