AutoMobil | Porsche-Prozess

Wie war das nochmal?

18.03.2016

Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter wurden vom Vorwurf der Marktmanipulation freigesprochen. Was ging im Übernahmekampf von VW und Porsche eigentlich schief? Und was hatten die beiden Männer eigentlich nochmal auf die Anklagebank gebracht?

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Die Porsche-Affäre aus dem Jahr 2008 ist ein komplexes Thema. Das zeigt schon allein, dass erst vier Jahre später ein Verfahren gegen die beiden Haupt-Akteure Wendelin Wiedeking und Holger Härter eingeleitet wurde. Nun sind sie nach einer fünfmonatigen Verhandlung beide freigesprochen worden. Aber wie kam es eigentlich zu dem Prozess?

VW und Porsche – David gegen Goliath

Mehr als zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass die Affäre rund um Porsche und den VW-Konzern begonnen hatte. Im Jahr 2005 hatte der damalige Porsche-Chef Wiedeking ein Problem. Insgesamt drei Milliarden Euro Rücklagen hatte der Sportwagenhersteller zu diesem Zeitpunkt auf der hohen Kante. Das war zu wenig, um damit Investitionen zu betreiben. Aber zu viel, um es einfach an die Aktionäre und Firmenbesitzer Porsche und Piëch auszuschütten.

Wiedeking hatte die Idee, mit dem vorhandenen Geld in den Konzernriesen Volkswagen zu investieren, ihn sogar zu schlucken. Die dadurch entstehenden Finanzmittel könnte man dann dazu nutzen, um Porsche selbst auszubauen und wettbewerbsfähig zu halten. Auch heute noch, zehn Jahre später, klingt diese Idee skurril. Auf der einen Seite der winzige Sportwagenhersteller, auf der anderen Seite Volkswagen mit fast 100 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. David gegen Goliath.

Vom Angreifer zum Verlierer

Der Plan als solcher ist nicht unbedingt schlecht gewesen. Das Land Niedersachsen hatte 20 Prozent der Aktien inne, gemeinsam hätte man eine Mehrheit bilden und den Volkswagenkonzern schlucken können. Wiedeking als Leiter dieser Übernahme hatte jedoch gravierende Fehler gemacht. So brachte er Niedersachsen und den damals regierenden Ministerpräsidenten Christian Wulff gegen sich auf – auf die nötige Unterstützung des Landes musste der Firmenchef also verzichten. Das hielt den Porsche-Chef jedoch nicht davon ab, seinen Plan von der VW-Übernahme weiter voranzutreiben.

Doch auch bei VW-Managern und Mitarbeitern hatte sich Wiedeking unbeliebt gemacht. Sein angeblich herablassender Ton sowie angedachte Kürzungen bei Gehältern und Personal sorgten letztenendes für einen Aufstand des Betriebsrates von Volkswagen – ein weiterer Schritt hin zum Scheitern der Porsche-Pläne. Das Jahr 2008 wurde dann zum Schicksalsjahr. Das Scheitern der Übernahme wurde durch die Finanzkrise besiegelt, das Fehlverhalten brachte Härter und Wiedeking letztlich vor Gericht.

Über den Übernahmekampf zwischen Porsche und VW sowie seine Folgen hat detektor.fm-Moderator Javan Wenz mit AutoMobil-Redakteurin Rabea Schloz gesprochen.


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