Radio-Praktiker zur Media Analyse: «Die Zahlen sind plausibler geworden»

09.03.2011

Alle halbe Jahre Zittern in den Redaktionen: die Media Analyse kommt. Sie soll die Reichweite der Sender messen - doch wie sinnvoll ist die "MA" wirklich? Ein Praktiker-Interview.

Ein antikes Radio in einem Hotel. / © Michael Kappeler (ddp)

Zweimal im Jahr ist die Aufregung bei allen Radiosendern groß, denn da veröffentlicht die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (ag.ma) die Zahlen zur Reichweite. Es ist die einzige offizielle Grundlage für die Berechnung des Preises, den Werbekunden beispielsweise für Werbespots bezahlen müssen. Dabei galt bisher immer: je mehr Hörer ein Sender hat, desto mehr Geld lässt sich mit Werbung verdienen.

 

Die Methode, mit der die Reichweite erforscht wird, ist allerdings umstritten, denn sie beruht auf dem Erinnerungsvermögen des Hörers. Der wird angerufen und zu seinem gestrigen Tag befragt. Hat er einen Sender innerhalb der letzten 14 Tage gehört, zählt er automatisch zum erweiterten Hörerkreis und hat diesen automatisch 15 Minuten gehört. Das ist die kleinste Einheit, so dass daraus Zahlen zustande kommen wie etwa die, dass 14-29 jährige wochentags durchschnittlich 141 Minuten Radio hören.

 

ist Journalist und Berater diverser Radiosender und Zeitungen.Christoph Lemmerist Journalist und Berater diverser Radiosender und Zeitungen. 

Zudem basieren die Ergebnisse, die heute veröffentlicht wurden, auf Daten, die im Frühjahr und Herbst 2010 erhoben wurden. Eine halbe Million Hörer sollen insgesamt im Vergleich zu den Zahlen vom Herbst 2010 (ma 2010 Radio II) dazu gekommen sein. Wie sich das erklären lässt, was die Zahlen tatsächlich über die Hörer aussagen und warum die ag.ma weiterhin an der Methode des telefonischen Interviews (CATI) festhält, darüber haben wir mit dem Journalisten Christoph Lemmer gesprochen. Er war Mitbegründer des ersten Privatradiosenders in Berlin und unter anderem Chefredakteur von 104.6 RTL in Berlin.