Ratingagentur stuft Frankreich “aus Versehen” herab – Ein technischer Fehler ohne Folgen?

11.11.2011

Die Ratingagentur Standard & Poor's entzieht Frankreich aufgrund eines technischen Fehlers kurzzeitig das Top-Rating. Frankreich reagiert empört und ordnet umgehend eine Untersuchung an. Mehr Möglichkeiten bleiben nicht. Oder doch?

Auch an der New Yorker Börse fielen kurzzeitig die Kurse, als Standard & Poor’s versehentlich eine Abwertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs mitteilte. Foto: © Michael Kappeler / dadp

War es ein vorgezogener Karnevalsscherz? Die US-amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s stufte für zwei Stunden die Kreditwürdigkeit Frankreichs herab. Prompt verloren französische Staatsanleihen an Wert. Wieder einmal zeigt sich der Einfluss der Ratingagenturen auf das tägliche Börsengeschäft.

ist Präsident des Bayrischen Finanzzentrums in München.Wolfgang Gerkeist Präsident des Bayrischen Finanzzentrums in München. 

Fehleinschätzungen können fatale Folgen für das jeweilige Land haben – aber sie haben meist nur geringe Konsequenzen für die Ratingagentur. Anders als Banken oder Versicherungen unterliegen sie nämlich keiner besonderen Kontrolle. Die „EU-Verordnung über Ratingagenturen“ erteilt ihnen zwar bestimmte Auflagen, deren Verstoß mit Bußgeldern geahndet werden soll. Konkret geregelt ist dies aber nicht. Gibt es demnach keine Möglichkeiten, Ratingagenturen aufgrund von Fehleinschätzungen zu belangen? Lassen sie sich vielleicht anders regulieren?

Das haben wir Wolfgang Gerke gefragt, den Präsidenten des Bayrischen Finanzzentrums in München.