Reedereien in der Krise

Zu viele Schiffe auf den Weltmeeren

11.04.2017

Was ist nicht alles über die Finanzkrise berichtet worden. Bankenrettung, Rettungsfonds, Immobilienblase. Ein Aspekt ist bislang eher selten berücksichtigt worden: Weltweit haben sich die Reedereien bislang vom Einsturz der Märkte nicht erholt.

Hier eine neue Playstation bestellt, da ein Fahrrad im Internet gekauft und im Supermarkt noch Avocados für den Salat eingepackt. Nichts davon kommt ursprünglich aus Deutschland. Gigantische Containerschiffe bringen große Ladungen dieser Güter zu uns. Was sich nach einem florierenden Geschäft anhört, ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach. Die Reedereien stecken in einer Krise.

Finanzkrise und Reedereien

Die Probleme dieses Marktes sind bislang allerdings an vielen vorbeigegangen. Dabei könnten sie große finanzielle Auswirkungen für alle Steuerzahler haben. Diverse Banken haben nämlich in die Reedereien investiert und sich offenbar verzockt.

Die norddeutsche Landesbank Nord LB hat diese Woche Verluste von fast zwei Milliarden Euro gemeldet. Grund dafür: Bis zur Finanzkrise 2008 war die Containerschifffahrt ein lukratives Geschäft für Anleger, Banken und natürlich auch für Reedereien. Die Globalisierung hat sich immer mehr beschleunigt und es war kein Ende in Sicht.

Bis zur Krise 2008 sind immer neue Schiffe in großer Anzahl bestellt worden, auch für viele Jahre im Voraus. Als dann der große Crash kam, brach der Markt zusammen und viele Investitionen waren dahin. Trotzdem sind immer mehr Schiffe produziert worden. Ein Fehler, für den nun jemand bezahlen muss.

Die Reedereien sind in der Klemme und mit ihnen viele Banken. Weil die Nord LB die größte norddeutsche Landesbank ist, steht der Steuerzahler für sie ein. Die Bank will sich jetzt mit Einsparungen und einer Reduzierung der Schiffahrts-Finanzierung retten. Wie genau und ob das funktionieren wird, ist heute noch offen.

Was passiert mit Reedereien?

Neben der Rettung der Bank ist das Problem für die Reedereien noch nicht gelöst. Denn sie sitzen auf einem Haufen unbenutzter Schiffe und stehen im internationalen Wettbewerb. Trotzdem sind und bleiben sie ein unverzichtbarer Teil für den Welthandel. Die Frage ist, wie es mit der gebeutelten Branche weitergeht.

Mit welchen Problemen der Handel aktuell zu kämpfen hat und welche Konsequenzen das für die Exportnation Deutschland haben kann, hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit dem Vorsitzenden des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik Burkhard Lemper besprochen.

Vorsitzender des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in BremenEin Grund für die Krise: Es wurden viele und vor allem auch große Schiffe gebaut, die nicht voll beladen sind. Burkhard Lemperist Vorsitzender des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen. 

Redaktion: Roberta Knoll