Der Rubel rollt abwärts

Russland in der Wirtschaftskrise?

17.12.2014

Russlands Währung verliert dramatisch an Wert. Daran sind auch die westlichen Wirtschaftsanktionen Schuld – aber nur zum Teil. Die Abhängigkeit vom Rohstoffexport und strukturelle Probleme sind der Nährboden für eine neue russische Wirtschaftskrise.

Zentralbank reagiert aufgeregt

89 Rubel betrug am Mittwoch der Höchsstand des Rubel im Vergleich zu einem Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Der massive Wertverfall der Währung wird für die Menschen und Russlands Wirtschaft zum existenziellen Problem. Lebensmittel werden immer teurer, was vor allem Angestellte und Rentner trifft. Importe werden unbezahlbar, auch die Binnenwirtschaft ächtzt unter der schlechten Wirtschaftslage. Die Inflation steigt mittlerweile so rasant, dass diese Woche die russische Zentralbank reagiert hat. Sie hob den Leitzins um ganze 6,5 Prozentz auf 17 Prozent an – ein Rekordwert.

Sanktionen, billiges Öl und Strukturprobleme

Damit werden allerdings auch Kredite praktisch unbezahlbar, die Unternehmen investieren kaum noch, seit Jahren überfällige Modernisierungen bleiben aus.  Auch die anhaltenden Wirtschaftsanktionen der Vereinigten Staaten und der EU gegen Russland zeigen Wirkung. Neben dem Importverbot für bestimmte Maschinen fehlt es vor Allem an Geld. Denn auch Kredite an russische Staatsunternehmen fallen unter das Sanktionspaket. Dabei ist Russland stark abhängig von Wareneinfuhren aus dem Westen. Strauchelnde Enegieriesen wie Gazprom brauchen dringend frisches Geld. So könnte Russland durch diese Krise auch außenpolitisch wieder Zugeständnisse machen.

Ein weiterer Faktor ist der seit Monaten fallende Ölpreis. Die Einnahmen aus Rohstoffverkäufen deckten bislang rund die Hälfte des russischen Staatshaushalts. Durch die niedrigen Weltmarktpreise fehlen Moskau Milliardeneinnahmen. Auch strukturell hat die staatlich monopolisierte russische Wirtschaft einige Probleme, die die Krise anheizen.

Über diese Faktoren und die Auswirkungen der Inflation auf die russische Wirtschaft sprach Moderator Christoph Dziedo mit Theocharis Grigoriadis. Er ist Professor für Volkswirtschaft am Osteuropa-Insitiut der freien Universität Berlin.

Redaktion: Alexander Hertel