Schweizer Großanleger horten Bargeld

Das passt in kein Sparschwein mehr!

15.06.2015

In den ersten Monaten dieses Jahres ist die Zahl der 1000-Franken-Noten stark gestiegen: Schweizer horten wegen des Negativzins der Nationalbank im großen Stil Bargeld. In dieser Woche diskutiert die Schweizerische Nationalbank über ihre Geldpolitik: Am Negativzins wird sich aber vorausichtlich nichts ändern. Weil Anleger aus Angst vor Strafzinsen in Bargeld flüchten, profitieren andere.

Haben Sie größere Summen Bargeld unter ihrem Kopfkissen oder im Schuhschrank? Oder vielleicht im Tresor? Einige Schweizer müssen diese Frage wohl mit „Ja“ beantworten. Denn von Januar bis März dieses Jahres ist die Anzahl der im Umlauf befindlichen 1000-Franken-Noten um acht Prozent gestiegen. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass Anleger ihr Erspartes stärker in Bargeld anlegen, denn mit einem Tausender zahlt man nicht so oft im Laden. Erst recht nicht mit dem starken Schweizer Franken.

Der Negativzins als Ursache

Ursache für die Bargeldhortung: Der Negativzins. Seit Anfang des Jahres müssen Geschäftsbanken und andere Institutionen 0,75 Prozent Zinsen auf Einlagen zahlen, die sie bei der Schweizer Nationalbank haben. Einige Banken reichen die Kosten mittlerweile auch an vermögende Privatkunden weiter. Ab einer Summe von einer halben Million Euro müssen damit auch Privatanleger Strafzinsen auf ihr Geld zahlen. Wer sein Geld in Scheinen aufbewahrt, kann diesen Kosten entgehen.

Wozu dient der Negativzins?

Die Schweizer Nationalbank will mit dem Negativzins auf Einlagen, die Banken bei ihr haben, dem Ansturm auf den Franken entgegenwirken. Verunsicherte Anleger schaffen – vor allem in Krisenzeiten – ihr Geld in großem Umfang in die „stabile“ Schweiz. Mit dem Strafzins von 0,75 Prozent will die Schweizer Nationalbank ausländisches Anleger fernhalten, um eine weitere Aufwertung der nationalen Währung zu verhindern. Angst haben die Schweizer vor sinkenden Importpreisen und einer drohenden Deflation.

Es diskutierten bereits Großanleger, wie die Schweizer Pensionskassen, darüber, ob Bargeld für sie günstiger ist. Wer Bargeld zuhause parkt, muss sich allerdings auch um die sichere Aufbewahrung kümmern und gegen Diebstahl versichern. Damit kostet auch die Bargeldlagerung im großen Stil Geld und bringt natürlich keine Zinsen. Eine Zwickmühle.

Tresorgeschäft boomt

Einige dürfte das allerdings freuen: Hersteller von Tresoren. Einige Anbieter melden, dass die Nachfrage seit Januar stark gestiegen ist. Auch die Dienstleister, die über Hochsicherheitstresore verfügen, in denen Bargeld eingelagert werden kann, profitieren von den schweizer Negativzinsen für Banken und Reiche.

Was hinter der Bargeldhortung der Schweizer steckt und ob sie die Stabilität des Finanzmarktes gefährden kann, hat Moderatorin Astrid Wulf den Ökonomen Maxime Botteron gefragt.

maxime botteronDie Nachfrage nach 1000-Franken-Noten hat nur im Januar und Februar stark zugenommen. Solang der Negativzins nicht weiter steigt, dürfte auch die Bargeldhortung nicht zunehmen.Maxime Botteronist Ökonom bei dem schweizer Finanzdienstleister "Credit Suisse".