Springer und ProSiebenSat.1: Problem für die Medienvielfalt?

Spätes Glück?

07.07.2015

Der Axel Springer Verlag und ProSiebenSat.1 planen die Fusion. Was vor zehn Jahren noch am Bundeskartellamt und der Medienaufsichtsbehörde gescheitert ist, scheint jetzt tatsächlich möglich zu sein. Doch was hätte eine solche Medien-Mammuthochzeit für Auswirkungen auf den deutschen Journalismus?

Auf ein Neues

Sie tun es schon wieder: Bereits vor zehn Jahren haben der Axel Springer Verlag und der ProSiebenSat.1-Konzern versucht, gemeinsame Sache zu machen. Vergebens, das Bundeskartellamt sowie die Medienaufsicht KEK befanden vor zehn Jahren, dass ein zusammengelegter Konzern einen zu großen Marktanteil haben würde, um tatsächliche Meinungsvielfalt zu gewährleisten. Nun jedoch scheint es fast, als könnten die beiden Giganten für ihre Wunschverbindung einen neuen Anlauf nehmen. Denn letztes Jahr hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Fusion rechtens gewesen wäre. Doch ist das, was rechtens ist, auch wünschenswert?

Mediale Flaggschiffe

Sowohl Axel Springer als auch ProSiebenSat.1 sind Meinungsmacher: Mit medialen Flaggschiffen wie der Bild-Zeitung oder dem Fernsehsender ProSieben gehören die beiden Konzerne definitiv zu den Großen. Eine Fusion der beiden Konzerne würde bedeuten, dass ein großer Teil journalistischer Inhalte aus ein und demselben Hause käme. Schon bis jetzt hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts die Medienlandschaft in Deutschland erheblich konzentriert. Solche Rationalisierungsprozesse mögen zwar Geld sparen, der Meinungsvielfalt wirken sie jedoch entgegen.

Vergleichsweise harmlos?

Auch die Digitalisierung und die zunehmende Abwanderung von medialen Inhalten ins Internet wirken diesem Prozess nicht entgegen, im Gegenteil: Gerade IT-Konzerne neigen zu krakenhafter Übergröße. So beherrschen einige wenige Unternehmen wie Google und Facebook einen großen Teil des Netzes. Womöglich könnte ja angesichts dieser hoffnungslosen Übermacht einer handvoll Konzerne der eine oder andere Kartellämtler resignieren und die vergleichsweise harmlose Verbindung von Springer und ProSieben geschehen lassen. Ganz nach dem Motto: Diese Fusion macht den Braten auch nicht fetter. Die konkreten Folgen für den Journalismus sind kaum absehbar. Das ohnehin geringe Vertrauen des Publikums in die Medien jedenfalls weiter in den Keller gehen. Nicht in den Keller gegangen sind auf jeden Fall die Aktienkurse von Springer und ProSieben.

Darüber, wie wahrscheinlich eine Fusion von Axel Springer und ProSiebenSat.1 tatsächlich ist und wie das aus journalistischer Sicht zu beurteilen wäre, hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband gesprochen.

Zörner HendrikWirtschaftlich notwendig ist diese Fusion für beide Konzerne nicht.Hendrik Zörnervom Deutschen Journalisten-Verband hält nichts von der Fusion und sieht sie auch nicht kommen. 

Redaktion: Richard Hees