Start-up hilft bei Kirchenaustritt

UNICEF statt Jesus?

10.10.2016

Die Kirchen bekommen durch sinkende Mitgliedszahlen immer weniger Geld aus der Kirchensteuer. Ein Start-up möchte Menschen den Austritt erleichtern und gleichzeitig zum Spenden für Hilfsorganisationen motivieren.

dein-kirchenaustritt.de will Menschen dabei helfen, aus der Kirche auszutreten und ihr Geld anderen Organisationen zu spenden. Was die einen fortschrittlich finden, finden die anderen kirchenfeindlich. Die Gründer des Unternehmens kamen auf die Idee, als in ihrem Bekanntenkreis viele mit dem Gedanken spielten, aus der Kirche auszutreten, aber keiner richtig wusste, wie ein Kirchenaustritt eigentlich funktioniert.

Säkulare Hilfsorganisationen nach Kirchenaustritt

Die Gründer möchten Austrittswillige beraten und ihnen den Austritt leichter machen. Interessenten müssen sich auf der Webseite eintragen, um Infomaterial geschickt zu bekommen. Die Nutzer sollen dann einen Teil der eingesparten Kirchensteuer an eine Hilfsorganisation ihrer Wahl spenden.

Die Gründer betonen, mit der Vermittlung kein Geld zu verdienen und auch von ihren Nutzern keine Gebühren oder Provision zu verlangen. Geld möchten sie stattdessen mit ihrer Webseite verdienen, auf der sollen Hilfsorganisationen demnächst exklusiv Werbeanzeigen schalten. Für diese Anzeigen will dein-kirchenausritt.de Gebühren verlangen. Derzeit sind die Gründer nach eigenen Angaben mit möglichen Partnern im Gespräch.

Ganz auf den Behördengang können Kunden von dein-kirchenaustritt.de aber trotz Beratung nicht verzichten. Denn weiterhin bleibt Austrittswilligen ein Gang zum Amt nicht erspart, der ist in Deutschland verpflichtend. Andere Länder, wie etwa Norwegen, kommen Austrittwilligen schon mehr entgegen. Dort ist ein Austritt auch digital möglich. Die englische Zeitung Independent berichtet darüber, dass dieses Angebot schon am ersten Tag 20.000 Mitglieder angenommen haben.

Spitzt es die Probleme der Kirche zu?

Seit Bekanntwerden ihres Vorhabens stehen die Gründer in den sozialen Netzwerken in der Kritik. Skeptiker werfen den beiden Gründern vor, Menschen dazu anzustiften, aus der Kirche auszutreten. Wieder andere werfen dem Unternehmen vor, mit der Desinformation ihrer Kunden zu spielen, da die Kirchensteuern ohnehin nur zu geringen Anteilen für soziale Zwecke verwendet werden.

detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt hat mit „Dein-Kirchenaustritt“-Gründer Niels Reinhard, der selbst noch Mitglied der Katholischen Kirche ist, über sein Geschäftsmodell gesprochen.

Gründer von dein-Kirchenaustritt.de Niels Reinhard, Fotos: privatWir wollen niemanden überzeugen, aus der Kirche auszutreten. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung.Niels Reinhard will mit seinem Start-up den Kirchenaustritt ledliglich erleichtern.