Studie zur Mittelschicht

Der Wohlstandsbauch schrumpft

22.09.2015

Eine Studie der Universität Duisburg-Essen hat die Einkommen in Deutschland seit der Wiedervereinigung untersucht. Danach gerät die Mittelschicht ins Wanken. Müssen wir mehr Geld umverteilen?

Zwei Forscher vom Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen haben sich intensiv mit der Mittelschicht beschäftigt. In ihrer Studie untersuchen sie, wie sich die deutsche Mittelschicht seit der deutschen Wiedervereinigung entwickelt hat. Sie kommen dabei zu dem Schluss: Der wichtigste Teil der deutschen Gesellschaft ist in den letzten zwei Jahrzehnten geschrumpft.

Wachsende Kluft in der Mittelschicht

Das obere und das untere Ende der Gesellschaft klaffen weiter auseinander und das deutsche Sozialsystem müsste eingreifen, um die Mittelschicht zu stärken. Denn sie ist sozusagen der Wohlstandsbauch Deutschlands: Je besser die Wirtschaft funktioniert und je größer die Mittelschicht, desto mehr Menschen nehmen auch am Wohlstand teil.

Sowohl die Oberschicht als auch die Unterschicht haben zugelegt. Die Verteilung wird ungleicher und das verursacht eine Polarisierung. – Thorsten Kalina, Institut für Arbeit und Qualifikation Universität Duisburg-Essen

Risiko Wirtschaftskrise

Der Anteil von Haushalten in der Mittelschicht ist seit 1993 von 56 auf 48 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der schlecht Verdienenden mit niedrigen Stundenlöhnen ist seitdem sogar gestiegen. Und das obwohl die deutsche Wirtschaft sogar einen Beschäftigungsrekord vermelden kann.

Über das Schrumpfen der Mittelschicht hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Thorsten Kalina gesprochen. Er ist einer der Autoren der Mittelschicht-Studie der Universität Duisburg-Essen.

foto-kalinaEs ist eine wichtige Frage für den Staat und die Gesellschaft, wie sich die Einkommen entwickeln. Die Umverteilung hat zwar zugenommen, aber trotzdem wird die Mitte kleiner.Dr. Thorsten Kalinaist Mitarbeiter am Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. 

Redaktion: Sylvia Wendrock