Transfermarkt: Wäre eine Begrenzung sinnvoll?

Kann der Fußball von NBA und Co. lernen?

01.09.2015

Der Transfermarkt für die Fußball-Bundesliga ist bereits geschlossen, die englische Premier League folgt heute Abend. Ist das System aus den Fugen geraten? Können Begrenzungen der UEFA helfen? Kann der Fußball vielleicht von NBA und Co. lernen?

Transfermarkt: Immer neue Rekorde

Mit der englischen Premier League schließt heute auch in der letzten europäischen Topliga das Transferfenster. Das heißt, dass ab jetzt kein Spieler mehr zwischen zwei Vereinen wechseln kann, sofern er einen gültigen Vertrag besitzt. Bereits gestern hat der Transfermarkt für die Bundesliga geschlossen. Nach dem viel diskutierten Transfer des Belgiers Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg fragen sich viele Beobachter, wie hoch die Ablösesummen noch werden. Für den hochtalentierten Belgier zahlt der englische Scheich-Club Manchester City allein an den VfL Wolfsburg 75 Millionen Euro. Ein Rekord, für einen Spieler aus der Bundesliga. Hinzu kommen vermutlich noch Zahlungen an Berater und Spielervermittler.

Mehr als nur Sport

75 Millionen Euro, für den durchschnittlichen Fußball-Fan ist das nur eine Fantasiesumme. Davon könnte man das Stadion des VfL Wolfsburg dreimal neu bauen. Im überhitzten internationalen Fußballmarkt ist die Summe allerdings fast schon Alltag. In der Sommer-Transferperiode 2015/2016 haben allein Vereine aus den fünf europäischen Topligen (England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich) knapp drei Milliarden Euro für neue Spieler bezahlt. Insbesondere die Vereine der englischen Premier League sind dank eines TV-Rechte-Vertrags in Rekordhöhe liquider denn je.

Europäischer Spitzenfußball ist internationale Werbe- und Projektionsfläche, ein durchkalkulierter, milliardenschwerer Markt. Viele potente Geldgeber hinter den Vereinen reizt Gewinnmaximierung und die Erschließung neuer Geschäftsfelder.

Begrenzung der Transfers?

Bei vielen Fußball-Fans aber auch bei Vertretern der kleineren europäischen Fußball-Ligen regt sich Unmut gegenüber dem Weltmarkt Fußball. Denn um international konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sich viele Vereine hoch verschulden. Einige denken bereits über Instrumente aus dem US-Sport nach: Deckelung der Gehaltskosten, die besten Jugendspieler zu den schlechtesten Vereinen. Zwar versucht die europäische Fußball-Union (UEFA) seit einigen Jahren bereits zaghaft, etwa mittels des „Financial-Fair-Play“, Vereine zumindest zum Haushalten zu bewegen. Dem enormen Geldstrom auf dem Transfermarkt tut das aber keinen Abbruch. Muss man daher über eine Reform des europäischen Fußballs nachdenken?

Wir haben mit dem Sportjournalisten Heiko Oldörp in New York gesprochen. Er beschäftigt sich mit den Marktmechanismen im Profisport.

Heiko OldörpWir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass es fair zu geht.Heiko Oldörpfreier Sportjournalist in den USA.