Atom-Rückstellungen von E.ON und RWE in der Kritik

Ist wirklich genug Geld für den Atomausstieg da?

29.07.2015

Rund 38 Milliarden haben die deutschen Energiekonzerne für den Atomausstieg zurückgelegt. Geld, dass die Verbraucher über den Strompreis bezahlt haben. Aber die Befürchtungen wachsen, dass die Rückstellungen von E.ON und RWE nicht für den Rückbau und die Entlagerung ausreichen.

An gut einem Dutzend Orten in Deutschland ragen die grauen Giganten aus der Landschaft: Kernkraftwerke. Sie sollen in den kommenden Jahrzehnten verschwinden. Dann kümmern sich Spezialteams um den Rückbau der Kernreaktoren. Der Atom-Ausstieg in Deutschland wird ein riesiges Projekt – und ein teures.

Rückbau zur grüne Wiese

 So nennt sich der Plan im Fachjargon. Das bedeutet konkret, dass 17 Mal fast eine halbe Million Tonnen Stahl und Beton entsorgt werden müssen. Dass Projekt wird das wohl größte und teuerste Abrissprogramm in der deutschen Geschichte. Nach Angaben der Energiekonzerne wurden 38 Millarden Euro für die Rückbau und Endlagerung zurückgelegt. Aber es kommen immer häufiger Zweifel auf, ob das Geld noch greifbar ist, wenn es gebraucht wird.

Die Reaktion der Konzerne war klar: wir haben Rückstellungen gebildet und das ist auch wahr. Aber das heißt nicht, dass auch Geld da ist. Die Gelder können erst mal im gemeinen Geschäftsbetrieb eingesetzt werden, solange bis eben die Verpflichtung auf die Rückstellungen erwächst. – Prof. Michael Vorfeld, Hochschule Ruhr-West

Verschlechterung der Bonität 

Die Studie der Hochschule Ruhr-West hat nachgewiesen, dass sich die Bonität der Konzerne seit Jahren verschlechtert. Das heißt, ihre Finanz- und Zahlungskraft nimmt ab. Ein sogenannter Atom-Fonds soll die Lösung sein. Sowohl die Unternehmen, als auch die Regierung halten sich bei dem Thema aber bedeckt.

Es ist als Lösung heranzuziehen, weil das im schlimmsten Fall in Zukunft auch wirklich garantiert, dass diesen Rückbauverpflichtungen auch ordnungsgemäß nachgekommen werden kann. – Prof. Michael Vorfeld, Hochschule Ruhr-West

Wird der Atomausstieg zur finanziellen Zitterpartie? Darüber hat detektor.fm Moderatorin Teresa Nehm mit Prof. Michael Vorfeld von der Hochschule Ruhr-West gesprochen.

Hochschule Ruhr-West_Vorfeld_MichaelDas Kernproblem ist: es muss Geld bereit gestellt werden. Und das wird eben die Herausforderung sein, dass das auch in dem Umfang geschehen kann. Prof. Michael VorfeldZweifelt dartan, dass die Atomkonzeren die ntigen Kosten für den Rückbau wirklich stemmen können. Foto: Hochschule Ruhr-West 

Redaktion: Nasti Neher