UN soll Rechte von Kleinbauern stärken

Kleinbauern in der Krise

13.03.2017

Kleinbauern werden weltweit von Regierungen diskriminiert und sind zunehmend von der Klimaerwärmung betroffen. Oftmals können sie selbst kaum von ihren Erträgen leben. Die UN werden nun aufgefordert, die Situation der Kleinbauern in den armen Ländern zu verbessern – von den Bauern selbst.

Systematische Benachteiligung

Rund 800 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger. Und durch den Klimawandel wird diese Situation nur noch schlimmer. Unter den Hungernden sind oftmals auch die, die eigentlich ihre Mitmenschen mit Lebensmitteln versorgen: Kleinbauern ernähren rund 80 Prozent der Weltbevölkerung. Allerdings reichen ihre Erträge oft kaum mehr für sie selbst.

Viele Regierungen kümmern sich überhaupt nicht angemessen um ländliche Regionen. Die Regierungen investieren sehr wenig in sie. Diese Regionen sind also ohnehin strukturell benachteiligt bzw. vernachlässigt. Wenn jetzt der Klimawandel hinzukommt, sind diese Menschen ausgesprochen schlecht drauf vorbereitet. – Michael Windfuhr, stellvertretender Direktor am Deutschen Institut für Menschenrechte

Wenn die Existenzgrundlage weggekauft wird

In Schwäbisch Hall haben Landwirte und Vertreter von Bauernorganisationen aus 42 Ländern über die Lage von Kleinbauern weltweit diskutiert. Sie fordern von den Vereinten Nationen (UN) eine Stärkung der Rechte von Kleinbauern, welche sich vom großen, globalen Agrarbusiness bedrängt sehen. Ein gravierendes Problem jedoch ist das sogenannte Landgrabbing. Besonders in Afrika kaufen Investoren im großen Stil Ackerflächen ohne dass sich die Bauern dagegen wehren können.

Leute in ländlichen Regionen werden vertrieben, ohne in irgendeiner Weise eine angemessene Entschädigung zu bekommen. Sie verlieren ihren Lebensunterhalt und wandern im Grunde direkt in die Armut ab. – Michael Windfuhr

Neue Regelungen müssten hier dafür sorgen, dass einerseits sich die Regierungen um die Menschen in ländlichen Regionen kümmern und andererseits Investoren nicht kaufen können, wenn unklar ist, wem das Land vorher gehörte.

Probleme industrialisierter Landwirtschaft

Die automatisierte Landwirtschaft im großen Stil ist zwar effizienter, bringt aber oft verschiedene Probleme mit sich. So hat allein die massive Verwendung von Pestiziden zahlreiche negative Effekte, wie das Schwächen und Sterben von Bienen. Durch neue Verträge können Bauern auch oft ihre jahrhundertealten Saatgüter nicht mehr verwenden.

Alternative Bewirtschaftungsformen können langfristig zudem notwendig werden. So sollen Prognosen zufolge allein in Asien mehr als eine Milliarde Menschen bis 2040 nicht mehr auf dem, Land sondern in Städten wohnen.

Großflächige industrialisierte Landwirtschaft kreiert in der Regel die größeren ökologischen Probeme. Landwirtschaft von Kleinbauern kann hingegen langfristig höhere Erträge einbringen und Boden-schonender sein, da mehr Arbeitskräfte eingesetzt werden. – Michael Windfuhr

Über die aktuelle Lage der Kleinbauern weltweit hat detektor.fm-Moderatorin Carina Fron mit Michael Windfuhr gesprochen. Er ist stellvertretender Direktor am Deutschen Institut für Menschenrechte.

Michael Windfuhr, Stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts fuer MenschenrechteBei begrenzten natürlichen Ressourcen haben wir alle das dringende Bedürfnis, dass Böden sorgfältig bewirtschaftet werden und dass wir mit den Wasservorräten ausreichend haushalten, sodass wir auch nachhaltig Nahrungsmittel in ausreichender Form haben. Michael Windfuhrstellvertretender Direktor vom Deutschen Institut für Menschenrechte 

Redaktion: Thomas Weinreich