Venezuela will eigene Kryptowährung einführen

Maduros Kryptogeld

06.12.2017

Kryptowährungen sind eigentlich erfunden worden, um Staaten und Banken aus Geldgeschäften herauszuhalten. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat nun aber angekündigt, dass Venezuela eine staatliche Kryptowährung bekommen soll. Damit will er Finanzsanktionen umgehen und die Hyperinflation im Land bekämpfen.

Was ist eine Kryptowährung?

Die Technologie hinter den Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum oder Litecoin heißt Blockchain. Die Blockchain ermöglicht es, ohne Mittelsmänner wie etwa Banken Geld zu transferieren und alle Transaktionen anonym und verschlüsselt zu speichern.

Durch sogenanntes Mining kann potenziell jeder neue Kryptowährungseinheiten erzeugen. Zudem stellt es die notwendigen Rechenleistung zur Verfügung, um Transaktionen im Blockchain-Netzwerk durchzuführen.

Begrenzte Coin-Menge

Ein Grund, warum Bitcoin so erfolgreich: die begrenzte Geldmenge. Jeder kann zwar Geld schöpfen, aber der Mining-Algorithmus ist so programmiert, dass auf jeden Fall bei 21 Millionen Bitcoins Schluss ist. Bitcoins sind somit Gold ähnlicher als einer Währung: Jeder kann sie schürfen, aber ihre Menge ist begrenzt.

Im Jahr 2035 werden wir die Menge von 21 Millionen erreicht haben und danach ist Feierabend. Während das Fiat-Geld der Zentralbanken wie der Euro oder der Dollar durch Kreditvergabe unlimitiert produziert werden kann. – Malte Fischer, Chefvolkswirt der Wirtschaftswoche

Maduros Plan

Eine staatliche Kryptowährung wie der Petro in Venezuela hat mit der eigentlichen Idee hinter Bitcoin & Co nicht mehr viel zu tun. Erstens ist die Währung nicht mehr dezentral und demokratisch, wenn der Staat ihre Schöpfung kontrolliert. Zweitens führt Maduro einfach nur eine andere Währung ein, die das Blockchain-Prinzip nutzt. Doch wie bei einer konventionellen Währung kann er die Geldmenge beliebig erhöhen oder verringern.

Wer glaubt denn, dass wenn er mit dieser Kryptowährung von Herrn Maduro in Venezuela die Auszahlung in Ölfässern verlangt, auch wirklich sein Öl bekommt? Diesem Mann kann man ja nicht vertrauen. – Malte Fischer

Ob die neue Kryptowährung es Venezuela ermöglicht, die Finanzsanktionen zu umgehen und die Inflation zu bekämpfen, darüber hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Malte Fischer, dem Chefvolkswirt der Wirtschaftswoche, gesprochen.

Malte FischerDie Kryptowährungen, die bisher existieren, sind durch nichts gedeckt. Das ist das große Problem bei diesen Währungen. Würde man die Kryptowährungen – und auch den Bitcoin – durch etwas decken, was einen intrinsischen Wert hat wie Gold oder Silber, würde man diese Währung sicherlich auch attraktiver machen. Malte Fischerist Chefvolkswirt der Wirtschaftswoche. 

Redaktion: Rewert Hoffer