Verbraucherzentrale wertet Beschwerden zu Paketdiensten aus

Wenn der Postmann gar nicht erst klingelt

12.12.2016

Das bange warten kurz vor Weihnachten. Kommt das Paket mit den Geschenken noch? Schnell wird da aus der Vorfreude Ärger. Besonders nervt es, wenn der Paketbote schon wieder nicht klingelt oder das Paket ohne Nachricht irgendwo abgibt. Seit einem Jahr können sich Verbraucher mit solchen Problemen auf einem Onlineportal an die Verbraucherzentrale wenden. Zeit für eine Zwischenbilanz!

Seit das Portal paket-aerger.de im Dezember 2015 online gegangen ist, haben schon Tausende Menschen die Gelegenheit genutzt, eine Beschwerde über ihren Paketdienst einzureichen.

Paketdienst kann Stellung nehmen

Die Beschwerden werden von der Verbraucherzentrale bearbeitet. Dem Dienstleister wird anschließend die Möglichkeit gegeben, dazu Stellung zu nehmen. Dann werden die Beschwerden mit der jeweiligen Stellungnahme veröffentlicht. Außerdem finden sich auf der Seite zahlreiche Tipps, Fragen und Antworten rund um den Paketversand.

Das Portal wurde von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen entwickelt und gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Thüringen umgesetzt. Die Seite richtet sich aber an Menschen aus allen Bundesländern.

Bei knapp der Hälfte der Beschwerden wurde ein Paket trotz Ankündigung per Smartphone-App oder E-Mail gar nicht geliefert. Stattdessen wurden die Pakete in Postfilialen oder Geschäften abgegeben.

Portal soll nicht zum Pranger werden

In den Beschwerden finden sich auch kuriose Fälle wie Zettel, auf denen nur vermerkt steht: „andere Postfiliale“. Kein Wunder, dass viele Menschen die Chance nutzen, ihrem Ärger über den Paketdienst Luft zu machen.

Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale NRW betont aber, die Plattform solle nicht zum Pranger für einzelne Zusteller werden.

Die Daten werden voll anonymisiert, Namen und Orte werden rausgenommen. Wir wollen nicht, dass das zurückverfolgbar ist auf einen Einzelnen, denn das würde auch am Problem vorbeigehen. – Iwona Husemann

Das Projekt, das vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert wird, ist auf einen Zeitraum von zwei Jahren angesetzt. In dieser Zeit soll ein Datensatz entstehen, mit dem man überblicken kann, wie groß die Probleme wirklich sind.

Schon zuvor waren Probleme mit Paketdiensten ein Thema im Verbraucherschutz. Jedoch konnte nie wirklich überprüft werden, wo es sich um Einzelfälle und wo um strukturelle Missstände handelt.

Wie die Bilanz nach dem ersten Jahr aussieht und worauf man jetzt vor Weihnachten achten sollte, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Maja Fiedler mit Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale NRW gesprochen.

Iwona Husemann Verbraucherzentrale NRW PaketdienstWir sehen uns nicht als Pranger oder Motz-Ecke, sondern wir wollen natürlich qualitativ etwas verbessern.Iwona Husemannist Juristin und arbeitet für die Verbraucherzentrale NRW. 

Redaktion: Eva Morlang