detectiv – Die Recherche-Serie | Vorwürfe gegen das Diakoniewerk Bethel

Die Diakonie, das bin ich?

06.07.2017

Wohlfahrtsorganisationen wie die evangelische Diakonie sollen Bedürftigen helfen. Der Leiter des Diakoniewerks Bethel steht laut der Rechercheplattform correctiv.org im Verdacht, das Diakoniewerk in seinem Sinne umgebaut zu haben.

Vorwürfe gegen Diakoniewerk Bethel

Karl Behle leitet das Diakoniewerk Bethel. Die Organisation betreibt Krankenhäuser, Seniorenzentren und Pflegedienste in ganz Deutschland. Laut eigener Darstellung ist sich Bethel im Laufe seiner Geschichte in einem treu geblieben: „die Liebe Gottes durch Taten spürbar werden zu lassen“.

Ein interner Prüfbericht des Bundes der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden (BEFG) vom Mai 2017, welcher der Rechercheplattform correctiv.org vorliegt, lässt daran Zweifel aufkommen. Karl Behle wird demnach vorgeworfen, das Diakoniewerk Bethel in seinem Sinne umgebaut zu haben. Dabei soll es demnach um persönliche Macht, unverhältnismäßige Bezahlung und den Umgang mit Mitarbeitern gegangen sein. Die Vorwürfe des Untersuchungsberichts richten sich laut correctiv.org dabei in erster Linie gegen Karl Behle persönlich.

Im Zuge der Umwandlung des Vereins Bethel in eine GmbH soll sich Behle dem Bericht zufolge umfangreiche Befugnisse gesichert haben. So soll er in der Lage sein, das eigene Gehalt festzulegen oder die Mitglieder des Aufsichtsrates zu bestimmen.

Ausschluss von Schwestern

2015 ist bekannt geworden, dass drei Schwestern aus dem Diakoniewerk Bethel ausgeschlossen worden sind. Die Begründung: Sie hätten sich zu weit von der Schwesternschaft entfernt. Eine der Frauen hatte Familienangehörige gepflegt, eine andere engagierte sich für Arme in Nepal. Die Schwestern, die für ihre Arbeit lediglich ein Taschengeld erhalten hatten, haben somit keinen Anspruch mehr auf Versorgung. Den Diakonissen ist per Satzung eine Versorgung bis ans Lebensende zugesichert.

Dieser Fall gilt als Auslöser für die Untersuchungen des Bundes der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden (BEFG), dem das Diakoniewerk Bethel angehört. Der Wirtschaftsprüfer Fritz Schnedler hat dabei laut correctiv.org untersucht, wie Karl Behle seine Macht immer mehr ausgebaut hat und schreibt von einem „Verstoß gegen die Prinzipien des Diakonischen Corporate Governance Kodexes“. Seit Mai 2017 ist demnach offenbar klar, dass Behle selbst der Stifter des Diakoniewerks Bethel ist. Dadurch hat er laut correctiv.org die vollkommene Kontrolle über die Organisation. Nach Angaben von correctiv.org hat weder das Diakoniewerk Bethel noch Karl Behle auf Anfragen der Journalisten reagiert.

detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser hat mit Frederik Richter von correctiv.org über die Vorwürfe gegen Karl Behle und die Verantwortung des Bundes der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden (BEFG) gesprochen.

arbeitet für das Recherchezentrum CorrectivDas Diakonische Werk muss sich vor allem die Frage gefallen lassen, warum sie das Diakoniewerk Bethel aufgenommen haben.Frederik Richterglaubt nicht, dass Behle strafrechtlich zu belangen ist. 

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