Es wird eng für VW-Chef Müller

Nichts gewusst oder bewusst übersehen?

21.07.2016

Kein Aufatmen bei VW. Dem Konzern droht nicht nur eine weitere Strafzahlung in Milliardenhöhe. Nach neusten Erkenntnissen im Abgasskandal soll VW-Chef Matthias Müller bereits 2006, damals noch bei Audi, von den Abgas-Problemen gewusst haben. Muss nun auch er gehen?

Es schien nach dem Abgasskandal wieder ein Stück aufwärts für den VW-Konzern zu gehen – dachte man. Doch mit der am Dienstag veröffentlichten Klage von US-Bundesstaaten wie New York und Maryland droht dem Automobilhersteller eine weitere Strafzahlung in Milliardenhöhe. Sollten diesen tatsächlich fällig werden, würde die Volkswagen-Gruppe das wirtschaftlich nicht verkraften.

Das wäre das Ende von VW. – Martin Seiwert, Redakteur bei der WirtschaftsWoche

Fliegt der zweite VW-Chef in Folge?

Die Bundesstaaten werfen dem deutschen Unternehmen in ihrer Klageschrift nicht nur Luftverschmutzung und eine Missachtung der Gesundheit der Bürger vor. Sie geben neben dem ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn auch dem amtierenden Matthias Müller eine Mitschuld am Skandal.

So geht aus den Unterlagen hervor, dass der Skandal mit großer Wahrscheinlichkeit beim Tochterkonzern Audi seinen Anfang nahm und Müller bereits 2006, damals noch Projekt-Manager bei Audi, von den Abgas-Problemen gewusst haben soll. Dieser streitet den Vorwurf  ab. Doch kann der ehemaliger Audi-Manager wirklich nichts gewusst haben? Der Journalist Martin Seiwert zweifelt daran.

Jetzt sagen die Staatsanwälte in den USA, er habe im Juli 2006 davon erfahren. […] Die Frage ist: Was hat er mit dieser Information gemacht?. – Martin Seiwert

Ob VW-Chef Müller wirklich gehen muss oder seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen kann, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Marie Landes mit Martin Seiwert von der WirtschaftsWoche gesprochen.

martin-seiwert_wirtschaftswocheEs müsste ihm schon nachgewiesen werden, dass er wirklich von diesem Betrug wusste, dass er den toleriert hat. Darüber hinaus muss man sich natürlich fragen, auch wenn er nicht direkt über den Betruf informiert wurde: Warum hat er nicht genauer hingeschaut?Martin Seiwertist Redakteur bei der Wirtschaftswoche.