Was wichtig wird | Diesel-Fahrverbote

"Die Autofahrer sind sauer und das zu Recht!"

01.03.2018

Städte und Kommunen können zukünftig Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge durchsetzen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Was das für die Autobesitzer und die Kommunen bedeutet, erklärt Martin Seiwert von der WirtschaftsWoche.

Volkswagen-Skandal

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat entschieden: Städte und Kommunen dürfen zukünftig Diesel-Fahrverbote durchsetzen. Das Urteil sorgt für viele Diskussionen und Unmut, vor allem unter den Autofahrern. Martin Seiwert von der Wirtschaftswoche kann diesen Unmut verstehen. Viele Autofahrer haben ihr Diesel-Fahrzeug im Glauben daran gekauft, damit eine saubere und moderne Technik zu unterstützen. Wer aber ist Schuld an diesem Dilemma?

Die Autofahrer sind sauer und das zu Recht. Auf wen müssen sie sauer sein? Zum einen auf die Hersteller, die Ihnen eine Technologie angedreht haben, […] die definitiv nicht sauber ist. Aber auch müssen sie sauer sein auf die Politik. Denn die Politik hätte das alles beaufsichtigen müssen und hat im Prinzip alle Augen zugedrückt. – Martin Seiwert

Hersteller könnten jetzt Verantwortung übernehmen und den Autofahrern eine günstige Nachrüstung finanzieren, meint Martin Seiwert. Bisher gibt es allerdings keine Bewegung in diese Richtung. Alleine für Deutschland würde dieser Schritt Kosten in Milliardenhöhe bedeuten. Die Autohersteller mauern also.

Ruhe bewahren

Trotzdem sollten Autofahrer sich nicht verrückt machen, meint Martin Seiwert. Zunächst stehen nur in vereinzelten Städten Diesel-Fahrverbote an. Viele Kommunen und Städte sind alleine organisatorisch noch nicht darauf vorbereitet. Alleine die Festlegung von Ausnahmefällen würde einen extrem hohen Organisationsaufwand für die Kommunen bedeuten.

Die Stadt München zum Beispiel hat uns erzählt, dass sie damit rechnet, dass sie hundert Mitarbeiter einstellen müsste, die nur solche Ausnahmeregelungen für Dieselfahrzeuge bearbeiten würden. – Martin Seiwert

Kurzfristig wird in den meisten Städten also nicht viel passieren. Mittel- bis langfristig werden Diesel-Fahrzeuge allerdings in vielen Städten nicht mehr fahren können. Dann bleibt den Haltern laut Martin Seiwert keine andere Wahl als das Diesel-Fahrzeug zu verkaufen. Dabei müssten Halter allerdings mit dramatischen Wertverlusten rechnen.

Im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop, erklärt Martin Seiwert welche Möglichkeiten Halter von Diesel-Fahrzeugen jetzt haben und welchen Organisationsaufwand ein Diesel-Fahrverbot für Städte und Kommunen bedeutet.


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