Was wichtig wird | Chefetage: Weniger Empathie ist mehr

"Der Chef muss nicht geliebt werden"

13.04.2017

Als Chef sollte man es mit der Empathie für seine Mitarbeiter nicht übertreiben. Denn zu viel Einfühlungsvermögen ist nicht gut. Warum, das erklärt Daniel Rettig von der WirtschaftsWoche im Gespräch.

Empathie ist wohl einer der schönsten menschlichen Fähigkeiten. Sie ermöglicht es, dass wir uns in die Lage anderer Menschen hineinversetzen und mit ihnen fühlen können. Das ist vor allem bei Krisen im Freundes- oder Verwandtenkreis hilfreich, um Verständnis für bestimmte Situationen aufzubringen. Doch so schön Empathie auch ist, sie kann auch zum Problem werden.

Das richtige Maß an Empathie

Wer in der Führungsebene arbeitet, der sollte seinen Mitarbeitern nicht zu viel Empathie entgegenbringen. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Reihe an Forschern. Diese haben in unterschiedlichen Studien in der Vergangenheit herausgefunden, dass zu viel Empathie in der Chefetage nicht förderlich für ein Unternehmen ist. Denn:

Wenn ich mich der Nöte meiner Kollegen zu stark annehme, gerate ich selbst in Bedrängnis. – Daniel Rettig, WirtschaftsWoche

Auch sollen Menschen, die besonders empathisch sind, schneller ermüden und sich leichter überfordert fühlen. Schuld daran soll das Stresshormon Cortisol sein. Im Moment der Empathie durchströmt es den gesamten Körper, „überträgt“ damit Stress und sorgt für schnellere Ermüdung.

Mitfühlen, aber nur in der richtigen Situation

Vor allem als Chef kann Mitgefühl in vielen Situationen hinderlich sein. Schließlich müssen Personen in Führungspostionen oft unbequeme Entscheidungen treffen, Kritik üben und eine klare Richtung vorgeben. Das steht jedoch häufig im Widerspruch zur Sichtweise und Gefühlswelt der Mitarbeiter.

Auch wenn das hart klingt: Man wird nicht dafür bezahlt, der beste Freund zu sein. Der Chef muss nicht geliebt werden. Er soll im Endeffekt dafür sorgen, dass alle ihre Arbeit machen. – Daniel Rettig

Wann ein Chef unbedingt Empathie zeigen und wann das Mitgefühl lieber hinten anstehen sollte, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Marie Landes mit Daniel Rettig von der WirtschaftsWoche gesprochen.

 


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