Was wichtig wird | Versicherungen auf der Anklagebank

Versicherungsbluff und Treuhänderschwindel

18.01.2018

Deutsche Versicherer haben ihren Kunden Anfang 2017 die Zahlungen aus ihren fondsgebundenen Rentenversicherungen gekürzt. Vieles spricht dafür, dass sie das nicht dürfen. Jetzt gibt es die ersten Klagen. Saskia Littmann von der Wirtschaftswoche erklärt den aktuellen Stand.

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Jeden Donnerstag besprechen wir die Wirtschaftsthemen der Woche mit der Wirtschaftswoche. Bild: Wirtschaftswoche | detektor.fm.

Wie viel Geld Versicherungen ihren Kunden bei Eintritt der Rente monatlich zahlen, bestimmt der Rentenfaktor. Der gilt immer pro 10.000. Wer beim Rentenfaktor 25 insgesamt 100.000 Euro eingezahlt hat, bekommt zum Beispiel 250 Euro pro Monat ausgezahlt. Diesen Faktor gibt es bei der gesetzlichen Rentenversicherung nicht. Er existiert nur bei fondsbgebundenen Rentenversicherungen.

Klauseln im Kleingedruckten

Große Versicherer wie Axa, Allianz, neue leben oder zurich haben diesen Faktor Anfang 2017 deutlich verringert. Die Folge: Weniger Geld für die Kunden. Die Versicherer berufen sich dabei auf Klauseln im Kleingedruckten der Verträge. Die besagen: Wenn die Lebenserwartung unerwartet stark steigt oder die Rendite der Kapitalanlagen nicht nur vorübergehend absinkt, dürfen sie kürzen. Auf zweiteres berufen sich nun die Versicherer, erklärt Saskia Littmann von der Wirtschaftswoche.

Im Moment berufen sich die Versicherer auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Sie sagen, sie spüren diese sehr. Dadurch können Sie angeblich die geplanten Renditen nicht mehr erwirtschaften. Allerdings stellen die klagenden Anwälte in Frage, ob die Versicherer tatsächlich so stark unter der Niedringzinspolitik leiden. Ob die Klausel also wirksam ist. – Saskia Littmann, Wirtschaftswoche

Versicherungen auf der Anklagebank

Denn ein Jahr nach den Änderungen gibt es jetzt die erste Klagen. Ein wichtiges Argument der Kläger: Ein unabhängiger Treuhänder muss bestätigen, dass eine Klausel tatsächlich eintritt. Aber es gibt große Zweifel an der Unabhängigkeit mancher Treuhänder. Sie werden in der Regel von Versicherern angestellt und bezahlt und haben häufig eine Vergangenheit in der Versicherungsbranche. Das macht sie unzuverlässig.

Deswegen gibt es in Kürze auch eine Entscheidung am Bundesgerichtshof. Diese soll klären, wann ein Treuhänder tatsächlich unabhängig ist. Der Prozess könnte grundsätzlich alles in Frage stellen, was Treuhänder in der Vergangenheit entschieden haben. Und damit auch den aktuellen Fall der verkürzten Rentenfaktoren. – Saskia Littmann, Wirtschaftswoche

Über unzuverlässige Treuhänder und Versicherungen hat detektor.fm-Moderator Jakob Bauer mit Saskia Littmann von der Wirtschaftswoche gesprochen.


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